Reaktionen zum Plastik-Plan der Regierung in Österreich: Pros

Foto: Plastikmüll richtig netsorgen

Unerschiedlich fielen die Reaktionen zum jüngst veröffentlichten Plastik-Plan der österreichischen Bundesregierung aus. Während Umweltschutzorganisationen die geplanten Maßnahmen zur Eindämmung der Plastikflut begrüßten, sprachen sich Vertreter der Wirtschaft dagegen aus. Hier Stimmen der Befürworter der Pläne:

In Österreich fallen jährlich 900.000 Tonnen Plastikabfall an. Laut Schätzungen des Umweltbundesamtes werden es nächstes Jahr bereits eine Million Tonnen sein. Ein Drittel davon sind Einweg-Plastikverpackungen. Diese werden klimaschädlich produziert und landen anschließend all zu oft in der Natur und werden damit auch zur Gefahr für unser Ökosystem, für Mensch und Tier.

GLOBAL 2000

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 begrüßt den 3-Punkte Plan gegen die Plastikflut als ersten Schritt in die richtige Richtung. „Seit Jahrzehnten steigt die Plastikproduktion stetig an und es wurde tatenlos zugesehen. Maßnahmen dagegen sind also längst überfällig. Es müssen jetzt die Weichen für eine klima- und ressourcenschonende Zukunft gestellt werden.“ betont Lena Steger, Ressourcensprecherin von GLOBAL 2000.

„Der Plastikmüll wächst uns über den Kopf. Dennoch werden in Österreich lediglich 25 % der Kunststoffabfälle recycelt. Daher ist es höchste Zeit, wirkungsvolle Maßnahmen wie Mehrwegquoten und ein Pfandsystem gegen die Plastikflut zu setzen“, sagt Steger. „Wir sind erfreut, dass Ministerin Gewessler erkennt, dass Einwegpfand ein hochwertiges Recycling unterstützt und in Kombination mit Mehrwegquoten zu einer tatsächlichen Reduktion von Plastikmüll führt.“

Greenpeace

Klimaministerin Leonore Gewessler vorgelegten 3-Punkte-Plan gegen die Plastikflut. Die wichtigsten Schritte zur Reduktion von unnötigem Wegwerfplastik sind für Greenpeace dabei eine Mehrwegquote bei Getränken sowie die geplante Herstellerabgabe für Plastikverpackungen. Dort wo Einwegplastik noch nicht vermieden wird, ist zumindest bestmögliches Recycling nötig. Andere Länder zeigen hier, dass Getränkeverpackungen am effektivsten über ein Pfandsystem gesammelt und recycelt werden. Um den flächendeckenden Ausbau von Mehrwegsystemen in Österreich rasch umzusetzen, fordert Greenpeace vor allem die bisherigen Blockierer, Lidl und Hofer, dazu auf, jetzt Mehrweg-Pfandflaschen einzuführen.

“Mit diesem Plastik-Plan führt an Mehrweg in Österreich kein Weg mehr vorbei,” sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich. “Die von den Diskontern oft vorgeschobene Verzögerungstaktik ´Warten auf die Politik´ muss jetzt ein Ende finden. Auch die ÖVP muss jetzt mitziehen und darf sich nicht mehr gegen Mehrwegquoten und Pfand stellen,” analysiert Panhuber, “sonst trägt sie die Schuld daran, dass die Plastikmüllberge weiter wachsen.”

Mehrwegverpackungen sind für Greenpeace die umweltfreundlichste Verpackungsform für Getränke und Milchprodukte. “Mehrwegflaschen können bis zu vierzig Mal wiederbefüllt werden und helfen dabei, die Müllberge zu verringern. Das ist der große Vorteil gegenüber Wegwerfflaschen,” sagt Panhuber. Und weiter: “Daher müssen Mehrwegflaschen wieder die übliche Verpackungsart in Österreich werden. Mit dem heutigen Vorstoß von Ministerin Gewessler sind wir diesem Ziel ein großes Stück näher gekommen.”

Arbeiterkammer

„Einweg-Pfand, Mehrwegquoten und ein Beitrag der Hersteller zur Entsorgung von Plastikmüll: Die Vorschläge des Umweltministeriums könnten ein Meilenstein bei der Plastikvermeidung werden“, sagt Werner Hochreiter von der AK Abteilung Umwelt und Verkehr. Verbindliche Mehrwegquoten fordert die AK seit Jahren. „Auf das Umweltbewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich könne man zählen, wenn klar ist, dass Mehrweg einfach und überall entsorgt werden kann“, so der AK Experte.

Eine Herstellerabgabe auf Plastikverpackungen macht ebenfalls Sinn: „Das folgt dem Verursacherprinzip und regt ein Umdenken bei den Lebensmittelkonzernen an“, sagt Hochreiter. „Plastikberge sind teuer: Für die Umwelt, für die Städte und für die SteuerzahlerInnen. Viele Länder in Europa sind da schon sehr viel weiter. Es ist höchste Zeit, dass auch in Österreich dieses Zukunftsthema angepackt wird.“

Grüne

„Seit Jahren fordern Konsument*innen ein besseres Angebot an Mehrwegverpackungen für Getränke und Maßnahmen gegen die Plastikflut. Ein besseres Mehrwegangebot, mehr Kostenwahrheit durch Einwegpfand und eine Plastikabgabe schaffen endlich mehr Anreize für weniger Abfall und umweltfreundliche Verpackungen“, begrüßt Astrid Rössler, Umweltsprecherin der Grünen, das heute präsentierte Dreipunkteprogramm von Umweltministerin Leonore Gewessler.

Mit dem vorgestellten Dreipunkteplan leitet die Regierung eine Trendwende zur Verringerung des Plastikabfalls ein. „Klimaschutzministerin Gewessler hat einen intelligenten Gegenvorschlag vorgelegt, um der steigenden Menge an Plastikmüll entgegen zu wirken. Damit tragen wir zum Schutz unserer eigenen Umwelt, aber auch der Weltmeere bei“, sagt Rössler.

Reclay Österreich

Der von der Umweltministerin Leonore Gewessler heute vorgestellte Drei-Punkte-Plan gegen die Plastikflut in Österreich entspricht für Reclay Österreich, eines der führenden heimischen Sammel- und Verwertungssysteme, den aktuellen europäischen Trends in der Kreislaufwirtschaft. „Die Herstellerabgabe auf Plastikverpackungen steht im Einklang mit der geltenden EU-Plastikabgabe und zielt auf einen Ausbau des ökologischen Ansatzes in der österreichischen Kreislaufwirtschaft ab“, erklärt Eva Schneider, Leiterin der Abteilung Consulting und Recyclingfähigkeit bei der Reclay Österreich GmbH.

Die von der Umweltministerin Gewessler vorgeschlagene Abgabe für Plastikverpackungen soll auch eine Chance für Hersteller und Abfüller sein, mehr recyclingfähigere Verpackungen zu verwenden und damit aktiv zur Ökologisierung der heimischen Kreislaufwirtschaft beizutragen. Die heimische Industrie muss aber entsprechend unterstützt werden, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. „Die international tätige Reclay Group ist u. a. Marktführer bei der Sammlung und Verwertung von Leichtverpackungen in Deutschland. Mit der langjährigen internationalen und nationalen Erfahrung haben wir Werkzeuge entwickelt, um die Industrie bei der Entwicklung von recyclingfähigen Verpackungen zu unterstützen. Österreichische Hersteller können somit auf unsere langjährige Erfahrung aus Deutschland, Frankreich und Spanien zurückgreifen, wo die Ökologisierung schon wesentlich weiter fortgeschritten ist“, so Schneider.

ÖPG Pfandsystemgesellschaft

Die ÖPG Pfandsystemgesellschaft sieht sich durch den heute von Umweltministerin Leonore Gewessler präsentierten Drei-Punkte-Plan gegen die Plastikflut in Österreich in ihren Forderungen bestätigt. Insbesondere ein Ausbau der verpflichtenden Quote auf Mehrwegverpackungen bis 2023 bzw. 2030 sowie die Einführung eines modernen Pfandsystems sind zwei gewaltige Schritte zu einer nachhaltigen Umstrukturierung der österreichischen Kreislaufwirtschaft. „Ein Pfand auf Einweg-Verpackungen ist nicht nur ein wirksames Mittel gegen das steigende Littering-Problem in Österreich, sondern würde auch dringend notwendige Kapazitäten in der heimischen Recyclingwirtschaft freispielen“, sagt Michael Ableidinger, Head of Public Affairs bei der ÖPG Pfandsystemgesellschaft.

Nun gilt es laut ÖPG Pfandsystemgesellschaft, einen Schulterschluss zwischen allen relevanten Akteuren der österreichischen Kreislaufwirtschaft zu bilden, um mit vereinten Kräften ein gut funktionierendes Einweg-Pfandsystem in Kombination mit einer verpflichtenden Mehrwegquote aufzubauen. „Erfahrungen aus anderen EU-Ländern können auch für Österreich ein Wegweiser sein, wie ein modernes Einweg-Pfandsystem gut funktionieren kann. Österreich hat beim Sammeln und Recyceln von Leichtstoffverpackungen einiges nachzuholen – die EU-Sammel- und Recyclingquoten sind nur durch ein Pfand auf Einweggetränkeverpackungen effizient zu erreichen. Die ÖPG Pfandsystemgesellschaft und ihre Partner sind bereits jetzt in der Lage, ein modernes Pfandsystem in Österreich umzusetzen“, ist Ableidinger überzeugt.

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