Österreichische Gasnetzbetreiber und TAG schließen sich European Hydrogen Backbonean

Grafik: Wasserstoff

Die beiden Fernleitungsnetzbetreiber Gas Connect Austria und Trans Austria Gasleitung arbeiten intensiv an der Umsetzung der regionalen und europäischen Klimaziele und haben sich vor kurzem der Initiative European Hydrogen Backbone zur Entwicklung eines europäischen Wasserstoffnetzes angeschlossen. Basis dafür sollen die bereits bestens ausgebauten Gasnetze in Europa sein. Die EHB Initiative hat heute eine Aktualisierung ihrer Vision für ein europäisches Wasserstoffnetz vorgestellt. Die Gruppe schlägt ein Wasserstoffnetz von fast 40.000 km bis zum Jahr 2040 vor, wobei ein weiteres Wachstum nach 2040 erwartet wird. Dieses Netz verbindet 21 europäische Länder. Die heute vorgestellte Vision folgt auf den im Juli 2020 veröffentlichten EHB-Bericht, der europaweit für großes Interesse gesorgt hat. Der damalige Bericht beschrieb ein Netz von 23.000 km, das zehn Länder abdeckte.

Zwei Drittel basieren auf bestehenden Gasleitungen

Etwa 69 % des vorgeschlagenen Wasserstoffnetzes besteht aus der vorhandenen Gasinfrastruktur. Die verbleibenden 31 % neu zu bauender Leitungen werden für den Anschluss neuer Abnehmer benötigt und befinden sich in Ländern mit heute kleinen Gasnetzen, jedoch mit hohem erwarteten zukünftigen Wasserstoffbedarf und -angebot. In Österreich wird auf das Potential der bestens etablierten Gas-Routen und insbesondere auf die Gas-Drehscheibe Baumgarten der beiden Fernleitungsnetzbetreiber GCA und TAG zurückgegriffen.

EHB-Initiative unterstützt ehrgeizige Energieziele Österreichs

Mit den Plänen trägt die EHB-Initiative auch zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele Österreichs bei, bis 2040 kohlenstoffneutral zu sein. Schon 2030 könnte ein erster Schritt in Richtung eines dedizierten Wasserstoffnetzes durch Blending (beimischen) und Deblending (separieren) in/aus dem bestehenden Gasnetz erreicht werden, welches die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien und Deutschland verbindet. Produzenten und Verbraucher von Wasserstoff hätten somit dieselbe Flexibilität und Drehscheibenfunktion wie jetzt für Erdgas verfügbar.

Bis 2035 könnte einer der parallelen Stränge der TAG-Pipeline umgewidmet werden, um Wasserstoff in beide Richtungen (von Norden nach Süden und umgekehrt) zu transportieren. Außerdem könnten bereits 3 Interkonnektoren zu Italien, Slowenien und Ungarn entstehen, die den Wasserstoff-Transport von Nordafrika und der Ukraine nach Slowenien, Ungarn und via Slowakei und Tschechien nach Deutschland ermöglichen. Bis 2040 könnte eine zusätzliche Verbindung nach Deutschland hinzukommen, indem die WAG-Pipeline der GCA vollständig umgerüstet wird. Somit wäre eine alternative Transportroute für ukrainischen Wasserstoff nach Deutschland vorhanden. Nach Fertigstellung wäre das österreichische Netz bereit, als effiziente und flexible Wasserstoff-Drehscheibe in der Region zu fungieren. An allen Kopplungspunkten bestünde die Möglichkeit Wasserstoff in beide Richtungen zu transportieren. Neben dem Transit könnte über das Netz der GCA auch kostengünstiger Wasserstoff zu österreichischen Verbrauchern gelangen, wie z. B. zu einem der größten Stahlwerke Europas in Linz, das bereits Versuche zur wasserstoffbasierten Stahlerzeugung durchführt, und zu einer großen Raffinerie nahe Wien.

Geringere Investitionskosten als bisher erwartet

Die Gesamtinvestitionskosten des für 2040 geplanten Backbone in der Gesamtlänge von rund 40.000 km werden von 43 – 81 Mrd. € geschätzt. Die Investitionskosten pro Leitungskilometer sind im Vergleich zum letztjährigen EHB-Bericht niedriger. Der Grund dafür ist, dass vorher nur Kostenschätzungen für Pipelines mit einem Durchmesser von 48 Zoll enthielt, während der aktuelle Bericht berücksichtigt, dass ein großer Teil der heutigen Erdgasinfrastruktur und der zukünftigen Wasserstoffinfrastruktur aus kleineren Leitungen besteht. Diese sind günstiger in der Umnutzung, führen aber zu etwas höheren Transportkosten pro Kilometer. Der Transport von Wasserstoff über 1.000 km würde im Durchschnitt 0,11 – 0,21 € pro kg Wasserstoff kosten, was den EHB zu einer kosteneffektiven Option für den Wasserstofftransport über lange Strecken macht.

Stabiler regulatorischer Rahmen erforderlich

Die heute veröffentlichten Wasserstoffinfrastrukturkarten für 2030, 2035 und 2040 spiegeln die Vision von 23 europäischen Gasfernleitungsnetzbetreibern wider, basierend auf deren Analyse, wie sich die Infrastruktur entwickeln könnte, um die Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Wasserstofftransportrouten und Zeitpläne in den Karten nicht in Stein gemeißelt sind. Das endgültige Backbone-Design und der Zeitplan hängen von den Marktbedingungen für Wasserstoff sowie von der Schaffung eines stabilen regulatorischen Rahmens ab.

„Damit die Energiewende effizient und leistbar gelingen kann braucht es europäische Zusammenarbeit. Die Pläne der EHB-Initiative bezeugen das europaweite Bestreben und stellen Wege vor, wie man mit bestehender Infrastruktur künftig kostengünstig klimaneutrale Energien transportieren kann. Unserer Gas-Infrastruktur, die eine wichtige Drehscheibe der europäischen Energieversorgung ist, lässt sich optimal in ein integriertes europäisches Wasserstoff-Netz einfügen und kann so wesentlich zur Erreichung der Klimaziele beitragen“, so Harald Stindl, Geschäftsführer Gas Connect Austria.

Daniele Gamba, Geschäftsführer TAG: „Die bestehende Gasinfrastruktur wird durch ihre Nachrüstung und Umwidmung einen wesentlichen Beitrag im zukünftigen Energiesystem auf zuverlässige und wirtschaftliche Weise leisten. Die EHB-Initiative zeigt, dass wir als Teil der Lösung gesehen werden müssen, um unsere gemeinsamen Klimaziele zu erreichen.“

Den ausführlichen Bericht der European Hydrogen Backbone Initiative finden Sie hier: Publications – Gas for Climate 2050.

Hintergrundinformation

Gas Connect Austria GmbH

Gas Connect Austria ist ein Gasfernleitungs- und -verteilernetzbetreiber mit Hauptsitz in Wien. Mit 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreibt Gas Connect Austria ein modernes und leistungsstarkes Hochdrucknetz mit Verbindungen nach Deutschland, der Slowakei, Slowenien und Ungarn sowie zu Speicher- und Produktionsanlagen. Als kundenorientierter Logistik-Dienstleister entwickelt das Unternehmen seine Produkte und Dienstleistungen entsprechend den Bedürfnissen des Marktes laufend weiter. Gas Connect Austria setzt sich auf nationaler und europäischer Ebene intensiv mit den Themen rund um die Energiewende auseinander und arbeitet aktiv an Lösungen zur Dekarbonisierung mit.

Über Trans Austria Gasleitung GmbH

Die Trans Austria Gasleitung GmbH ist ein Fernleitungsnetzbetreiber in Österreich. Ihr Pipelinesystem verbindet über eine Strecke von 380 km Baumgarten in Österreich mit Tarvisio in Italien und hat eine jährliche Transportkapazität nach Italien von 30 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Das TAG-Pipelinenetz besteht aus rund 1.140 km Erdgashochdruckleitungen von der slowakisch-österreichischen bis zur österreichisch-italienischen Grenze. Entlang der Route in Österreich liefert die Erdgasleitung auch Erdgas für den Verbrauch. Über die SOL-Pipeline transportiert TAG auch Erdgas nach Slowenien.

(Grafik zum Beitrag: Universität Wien)

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