Illegaler Plastikmüllhandel bedroht Menschen und Umwelt in der Türkei

Foto: Plastikmüll in der Türkei © Caner Ozkan, Greenpeace

Greenpeace begrüßt, dass die Schwerpunktkontrollen im Müllhandel des BMK erste Ergebnisse bringen und fordert eine lückenlose Aufklärung der bekannt gewordenen illegalen Plastikmüllexporte aus Österreich in die Türkei, nach Serbien und Deutschland. Laut dem österreichischen Klimaschutzministerium (BMK) wurden in den letzten Monaten 950 Tonnen verunreinigter Plastikmüll aus Österreich in die Türkei verschifft. Die türkischen Behörden haben einen Teil des Mülls abgefangen, bevor er ins Land gebracht wurde. Eine Untersuchung im Auftrag des BMK ergab, dass der rückgeführte Müll über die vorgeschriebenen Grenzwerte mit Störstoffen verunreinigt war und eine umweltgerechte Verarbeitung in der Türkei nicht gesichert war.

Recherche-Teams von Greenpeace deckten im Frühjahr 2021 auf, dass Plastikmüll aus der EU im Süden der Türkei im großen Stil neben Straßen, entlang von Flüssen und Siedlungen abgeladen und verbrannt wird. 2020 wurden laut offizieller EU-Statistik rund 450.000 Tonnen Plastikmüll – bis zu 240 Container täglich – aus der EU in die Türkei exportiert. Aus Österreich waren es 2020 laut offiziellen Angaben über 19.000 Tonnen Plastikmüll. Greenpeace fordert, dass die Bundesregierung mit klaren Gesetzen und strengen Kontrollen umweltschädliche Abfallexporte stoppt.

“Die Plastikmüllberge in der Türkei explodieren. Im vergangenen Jahr hat die Türkei 20 Mal so viel Plastikmüll importiert wie noch vor fünf Jahren. Der Fall Türkei zeigt, dass sich der weltweite Handel von Müll laufend neue Wege sucht. Leidtragend sind dabei immer Umwelt und Menschen in den Empfängerländern. Die Bundesregierung muss die umweltschädlichen Exporte durch strenge Grenzwerte, engmaschige Kontrollen und saftige Strafen stoppen. Daher begrüßen wir die erfolgten Schwerpunktkontrollen als wichtigen ersten Schritt”, so Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

Greenpeace-Recherchen zeigen, dass die importierten Plastikabfälle in der Türkei teilweise auf ungesicherten Deponien in Brand gesetzt werden. Dabei werden Rauch und Staub freigesetzt, die gesundheitsschädigende und krebserregende Stoffe enthalten – und die für Pflanzen, Tiere und Menschen in der Region eine große Gefahr darstellen. Greenpeace hat im Frühjahr 2021 an zehn Stellen in der Nähe der türkischen Stadt Adana illegal entsorgten Plastikmüll aufgedeckt. Die Situation in der Region hat sich seit 2020 deutlich verschlimmert. Laut einer Studie im “Science magazine” landen alleine aus der Türkei bis zu 190.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr im Meer.

“Österreich und die EU dürfen nicht mehr länger andere Länder als Müllhalde benutzen und die Umwelt vor Ort verpesten. Der Kern des Problems ist die Überproduktion. Um den gesamten anfallenden Plastikmüll in Österreich zu recyceln, müssten die Kapazitäten der Recycling-Anlagen verdoppelt bzw. verdreifacht werden. Viel umweltfreundlicher ist, von Beginn an weniger Plastikmüll zu produzieren, und damit der Plastikflut den Hahn abzudrehen. ProduzentInnen und Handel müssen jetzt dazu verpflichtet werden, langlebige, wiederverwendbare und sichere Produkte auf den Markt zu bringen. Die Verpackungsmüllberge können durch den Umstieg auf Mehrweg- und Abfüllsysteme drastisch reduziert werden”, so Panhuber.

Factsheet zu Plastikmüllexporten in die Türkei
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