Was bedeutet Kreislaufwirtschaft? Wo setzt man an?

Grafik: Kreislaufwirtschaft

Aus Abfall wird eine Ressource, so wie in der Natur. So wie im Urwald, wo alles in Kaskaden und Netzen genutzt wird, alle Stoffe zwischen der belebten und unbelebten Materie im Kreislauf wandern. So einfach könnte der Lösungsansatz sein.

Text: AXEL DICK

Gastbeitrag im UMWELT JOURNAL, Ausgabe Nr. 1/2020

Wir haben Herausforderungen: Unser Wirtschaftssystem ist großteils noch geprägt von der take-make-use-waste-Philosphie, das heißt aus der Umwelt entnehmen, produzieren, gebrauchen und am Ende entsorgen. Die Materialströme haben global Dimensionen angenommen, wo Geowissenschaftler schon vom Anthropozän sprechen. Einige Rohstoffe werden in der EU als kritisch eingestuft, aber wir haben noch sehr geringe Sekundärrohstoffquoten. Die Umwelt ist mit Schadstoffen weltweit belastet und lassen sich in den entlegensten Ecken der Erde, ob in der Antarktis, auf den Gletschern oder auch am Meeresgrund nachweisen, letztes Beispiel Mikroplastik.

Am Ende landen diese über die Nahrungskette (Bioakkumulation) dann wieder beim Menschen. Die Abfallmengen steigen, auch jene der gefährlichen Abfälle. In Deutschland wird Deponieraum zum Beispiel für Bauaushub und -schutt schon knapp und damit auch teurer. Zukunftsorientierte Strategien wurden beim 6. qualityaustria Umweltforum in Kooperation mit dem Nachhaltigkeitsministerium und EPEA Switzerland diskutiert und konkrete Beispiele auch vorgestellt.

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Produktdesign entscheidend

Daher ist die Idee, dass Produkte so designt werden könnten, sollten, müssten, damit sie wieder entweder in den biologischen Kreislauf und/oder in einen technologischen Kreislauf rückgeführt können. Dies setzt natürlich eine Materialgesundheit voraus, damit allfällige giftige, kanzerogene, mutagene oder teratogene Stoffe nicht den biologischen Kreislauf belasten und am Ende wieder in der Nahrungskette landen.

Materialgesundheit steigert natürlich auch die Qualität von Sekundärrohstoffen im technischen Kreislauf. Der zentrale Hebel ist hierbei die Planung der Produkte und/ oder Dienstleistungen, um mögliche Umweltauswirkungen während der Nutzung, beim Reuse, beim Remanufacturing oder beim Recycling signifikant zu reduzieren. Die ISO 14001:2015 setzt mit der Anforderung der Lebenswegbetrachtung hier bereits an.

Strategischer Schwerpunkt der EU

Kreislaufwirtschaft rangiert ganz weit vorne auf der europäischen Agenda und die EU-Kommission beschleunigt das Thema weiter. Wolfgang Holzer, Leiter der Sektion V – Abfallwirtschaft, Chemiepolitik und Umwelttechnologie im Bundesministerium FÜR Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) skizzierte die weiteren Vorhaben in diesem Bereich. „Das Kreislaufwirtschaftspaket der EU war ein erster entscheidender Schritt, dem definitiv noch weitere folgen müssen. Während die Mitgliedstaaten mit der nationalen Umsetzung befasst sind, wird auf EU-Ebene bereits die Kreislaufwirtschaftsstrategie 2.0 vorbereitet.“

Die Umweltfreundlichkeit von Unternehmen, die durch einschlägige Standards und Zertifizierungen dokumentiert wird, werde bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen unweigerlich eine zunehmende Rolle spielen war auch beim jüngsten qualityaustria Umweltforum zu hören.

Cradle-to-Cradle-Design als Innovationsansatz

Cradle-to-Cradle-Design (von der Wiege bis zur Wiege) definiert und entwickelt kreislauffähige Produkte. Als Differenzierung zum Recycling bleibt die Qualität der Rohstoffe über mehrere Produktlebenszyklen erhalten und es werden ausschließlich als sicher bewertete Chemikalien eingesetzt.“ Die Politik gehe mit riesigen Schritten beim Thema „Circular Economy“ bzw. Kreislaufwirtschaft voran, weshalb die Gefahr für die Industrie bestehe, dass sie überfordert werde und in der Transformation nicht mithalten könne. Plastikverbote würden nichts bringen – vielmehr bestehe der Bedarf nach neu- en, zukunftsfähigen Kunststoffen. Die Textilindustrie würde dies beweisen. Wolford ist weltweit das erste Unternehmen, das für den biologischen und technischen Kreislauf nach ‚Cradle -to -Cradle CertifiedTM Gold‘ zertifiziert ist.

Neuer Standard ISO 14009

Die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 fordert die Lebenswegbetrachtung und die ISO 45001 fordert das STOP-Prinzip.

Der Leitfaden IEC 62430:2019 zum umweltbewussten Design ist in Überarbeitung. Neu ist der Leitfaden ISO CD 14009:2019 „Environmental management systems guidelines for incorporating material circulation in design and development“.

Kreislauffähigkeit zertifizierbar

Am Institut für Integrierte Qualitätsgestaltung an der JKU wird zur Kreislaufwirtschaft geforscht. In der ISO-Normung arbeitet man bereits an Standards wie ISO 14009. EPEA Switzerland hat hier schon ÜBER 20 Jahre praktische Erfahrung. EPEA Switzerland und Quality Austria werden in Zukunft kooperieren, im Training und in der Auditierung der komplexen Lieferketten. Quality Austria bietet das erste Cradle-to-Cradle -Training in Wien am 28. und 29. Mai 2020 an. Mit Cradle to Cradle wird am Ende Kreislauffähigkeit sogar zertifizierbar.

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