Nachhaltige Landwirtschaft federt Krisen ab

Foto: Nachhaltige Landwirtschaft

Die EU-Abgeordnete Sarah Wiener kritisiert den Aufschub der Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission. Gerade jetzt brauche es eine stressresistente Öko-Landwirtschaft, so die Österreicherin.

Brüssel (OTS) – Verwundert zeigt sich die österreichische EU-Abgeordnete Sarah Wiener über die heute (Donnerstag) bekannt gewordenen Pläne zur Verschiebung der Farm-to-Fork-Strategie. Das sei ein katastrophaler Rückschritt. „Die Coronakrise führt uns überdeutlich vor Augen, dass wir widerstandsfähige Ernährungssysteme benötigen. Nur eine nachhaltige, regionale Landwirtschaft wird auch künftig Krisen abfedern können“, sagt Wiener, die auch Schattenberichterstatterin der Farm-to-Fork-Strategie ist.

Bereits seit längerem stehen Landwirte und Fischer wegen des Biodiversitätsverlustes und Klimawandels unter großem Druck. Mit den Bildern ausgetrockneter Flüsse und Felder aus den Vorjahren noch vor Augen bahnt sich bereits die nächste Katastrophe an: Denn bereits jetzt ist es in Österreich und Deutschland viel zu trocken. „Deshalb müssen wir uns mit allen (Klein)bauern, Fischern und Handwerkern solidarisieren, die regionale Lebensmittelsysteme stärken und sichern“, sagt Wiener.

Die wirtschaftlichen und ökologischen Krisen zeigen, wie notwendig wir nachhaltige Ernährungssysteme, dezentrale Landwirtschaft und vielfältige Strukturen brauchen, um überhaupt aus solchen Krisen herauszukommen. „Regional vermarktete Bio-Kistl sind seit mehreren
Wochen in vielen Teilen Österreichs vergriffen, direkt vermarktende Bäuerinnen und Bauern freuen sich über Rekordumsätze. Die Krise zeigt, dass unsere bäuerlichen Produktions- und Verarbeitungsbetriebe hoch im Kurs stehen. Wir brauchen wieder eine unabhängige Vielfalt am Teller. Das ist nicht nur eine Frage des guten Geschmacks, sondern auch des Arten-, Umwelt- und Klimaschutzes“, bekräftigt Sarah Wiener. „Nur stressresistente Landwirtschaftssysteme werden auch künftig Krisen abfedern können.“

Die Farm-to-Fork-Strategie stellt eine historische Chance dar, das Ernährungs- und Landwirtschaftssystem grundlegend zu reformieren. Bis jetzt hat die EU nur in einzelnen Bereichen gedacht und nie das große Ganze betrachtet. Mit dieser Reform könnten alle drei zentralen Bereiche zum Besseren umgestaltet werden: Die Produktion, die Verarbeitung und der Konsum von Lebensmitteln. „Es handelt sich um eine Strategie die nicht etwa an einzelnen Stellschrauben dreht, sondern tatsächlich darauf abzielt unser gesamtes Nahrungsmittelsystem schrittweise zu verbessern – vom Acker bis zum Teller“, sagt Wiener.

„Ich weiß nicht, was noch alles passieren muss. Ja, es ist nicht einfach, so eine weitreichende Reform während einer globalen Pandemie voranzutreiben. Doch im Sinne einer krisensicheren Ernährung in Europa, von Klimaschutz und Artenschutz: Wir haben keine andere Wahl!“, sagt Sarah Wiener. „So weiterzumachen wie bisher, wie sich das manch konservativer Politiker vorstellt, ist nicht möglich. Die Klientelpolitik für einige wenige muss beendet werden. Wir müssen das System so gestalten, dass alle kleinen Glieder in der Kette profitieren. Das ist das stabilste und am wenigsten stressanfälligste System“, sagt Wiener.

Deswegen muss eine ehrgeizige Farm-to-Fork-Strategie, die ökologisch, widerstandsfähig, sozial und gesundheitsorientiert ist ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden. „Auch mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik fordere ich die EU-Kommission auf, den Zeitplan einzuhalten“, so Wiener.

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