Die Netze rüsten sich gegen Blackout

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Das Risiko für großflächige Stromausfälle steigt. Die österreichischen Netzbetreiber reagieren darauf mit dem zügigen Ausbau der Energieinfrastruktur und dem gezielten Übungen für den Ernstfall. Niemand redet gern darüber, denn allein die Vorstellung eines länger dauernden totalen Stromausfalls ist furchteinflößend. Angesichts der Bedeutung, die elektrischer Strom für das gesamte moderne Leben hat, würde ein Blackout den gewohnten Alltag weitgehend zum Erliegen bringen. Auch der Neustart der Energieversorgung würde besondere Anstrengungen erfordern.

Diese Gefahren und vor allem die Bemühungen, sie vorsorglich zu verhindern, waren Thema beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am Donnerstag, 14. Oktober.

„Wir sind uns im Alltag gar nicht bewusst, was alles ohne Strom nicht funktionieren würde“, warnte die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit Brigitte Ederer: „Wir könnten nicht einmal mehr Notproviant im Supermarkt an der Ecke einkaufen, weil dort die Kassa nicht in Betrieb genommen werden kann. Wir wären von jeder Kommunikation abgeschnitten, weil die Handynetze und das Internet ausfallen, Radio und Fernsehen sowieso.“

Umfassende Vorsorge

Den Verteilernetzbetreibern kommt die Aufgabe zu, solche Szenarien von vornherein zu verhindern, führte der Geschäftsführer der Linz Netz GmbH, Johannes Zimmerberger, aus: „Gut ausgebaute und stabile Netze sind die beste Prävention gegen Blackout.“ Elektrische Energie hat die physikalische Eigenschaft, dass sie nicht auf Vorrat hergestellt werden kann. „Erzeugung und Verbrauch müssen zu jedem Zeitpunkt gleich groß sein“, so Zimmerberger, „dafür müssen die Netzbetreiber durch eine ständige Regelung der Frequenz sorgen.“ Diesem Zweck dienen sogenannte Regelkraftwerke, also Stromerzeuger, von denen je nach Bedarf mehr oder weniger Strom abgerufen werden kann. Das Gleichgewicht im Netz zu halten, ist schwieriger geworden, weil durch die Zunahme von Wind- und Sonnenstrom die Einspeisung stärkeren Schwankungen unterliegt. Diese Herausforderung muss durch einen entsprechenden Netzausbau gemeistert werden, betonte Zimmerberger: „Die Energiewende ist nur mit leistungsfähigen Übertragungs- und Verteilernetzen verwirklichbar. Der Ausbau der Netze ist derzeit sicher eine der größten Herausforderungen.“

Üben für den Ernstfall

Natürlich aber lässt sich der Worst Case trotz aller Vorkehrungen nicht ausschließen. Daher wird der Ernstfall von den zuständigen Teams der Verteilernetzbetreiber regelmäßig geübt, nicht zuletzt auch, um im Zuge von Katastrophensimulationen Schwachstellen aufzudecken. Um einen drohenden Blackout möglichst rasch zu erkennen, wurde ein österreichweites Warnsystem installiert, das Austrian Awarness System (AAS), das die Netzbetreiber über den Netzzustand in den Nachbarregionen informiert.

Wenn das Netz tatsächlich zusammenbricht, muss versucht werden, es so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Für einen sogenannten Schwarzstart ist ein leistungsfähiges Kraftwerk erforderlich, das ohne fremde Hilfe in Betrieb genommen werden kann. „Ein Windpark eignet sich dafür nicht“, bedauerte Zimmerberger, „für den Schwarzstart braucht man entweder ein Wasserkraftwerk oder eine Gasturbine.“ Bei Linz Netz kann das Fernheiz-Kraftwerk Linz Süd diese Rolle übernehmen.

Eine besondere Herausforderung stellt die Tatsache dar, dass bei einem Blackout auch sämtliche gewohnten Kommunikationsmedien ausfallen – Festnetz- und Mobiltelefonie ebenso wie Internet. Die Netzbetreiber verwenden daher einen Betriebsfunk und ein eigenes Prozessnetzwerk, die von der öffentlichen Stromversorgung unabhängig sind.

Dieses Prozessnetzwerk ist überdies gegen unerwünschte Eingriffe von außen gesichert, denn die Cyber Security gewinnt auch bei der Blackoutvorsorge an Bedeutung. Zimmerberger: „Wir haben erst vor kurzem einen Blackout, der durch feindliche Hackerangriffe ausgelöst wird, als Übungsfall simuliert. Experten für Cyber Security gehören fix zum Team.“ Aus Sicherheitsgründen sind auch die neuen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) durch eigene Datenleitungen mit der Zentrale des Netzbetreibers verbunden, betonte Zimmerberger, „wir übertragen keinerlei Daten über das Internet und machen die Smart Meter damit in höchstem Maße sicher gegen Zugriffe von Hackern.“

Abschließend formulierte Zimmerberger Wünsche der Netzbetreiber an die Politik. „Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen, unter anderem müssen die Daten über das Geschehen im Netz bei den Netzbetreibern liegen und auch von den Netzbetreibern verwaltet werden. Zudem müssen die Kosten für zusätzliche Aufwendungen über die Netzgebühren abgegolten werden – dazu zählt auch das Vorhalten von schwarzstartfähigen Kraftwerken, die im Normalbetrieb womöglich nicht gebraucht werden.“

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