Haushalte zahlten im Juni um 45 % mehr für Energie als vor einem Jahr

Foto: Stromzähler

Der von der Österreichischen Energieagentur berechnete Energiepreisindex stieg im Vergleich zum Vormonat Mai 2022 um 6,2 %, im Jahresvergleich Juni 2022 zu Juni 2021 zeigte sich ein Plus von 45 %. Die Energiepreise stiegen damit weiter und waren der zentrale Treiber der Inflation. „Im Juni und Juli haben wir zum ersten Mal großräumig Treibstoffpreise von über zwei Euro pro Liter an den Zapfsäulen beobachten. Aktuell hat sich die Lage wieder etwas entspannt und es scheint, als hätten die Preise für Treibstoffe zumindest kurzfristig ein Plateau erreicht. Mit Preisesteigerungen wie im Juni ist bei Diesel, Superbenzin und Heizöl vorerst nicht zu rechnen die Auswirkungen durch die Unterbrechung der Druschba Pipeline können wir aber noch nicht einschätzen “, analysiert Franz Angerer die Märkte und ergänzt: „Ganz anders zeigt sich die Situation jedoch bei Strom und Erdgas für Haushalte.“

Enorme Steigerungen im Großhandel – Haushaltspreise folgen zeitverzögert

„Im Segment der Haushaltkunden werden die Preiseänderungen an den Großhandelsmärkten meist mit Verzögerung weitergegeben. Aber genau an diesen Großhandelsmärkten ist die Situation seit einigen Monaten äußerst angespannt“, erläutert Angerer. Im Juni war der Österreichische Strompreisindex mit einem Plus von 203 % drei Mal so hoch wie im Vorjahr. Der Österreichische Gaspreisindex lag im Jahresvergleich Juni 2022 und Juni 2002 sogar um ganze 424 % höher. Dementsprechend haben bereits zahlreiche Energieversorger ihre Preise angehoben oder dies angekündigt.

Angespannte Situation bei Erdgas führt zu Preisanstiegen

Die Preissteigerungen haben eine Reihe von Ursachen, aber allen voran steht der Russlandkonflikt und die fehlende Gewissheit über zugesagte Gasliefermengen. Das sorgt für Unsicherheiten und stellt ein fundamentales Risiko für die Versorgungssicherheit Europas dar. Diese angespannte Situation führt zu extremen Preisanstiegen.

Gaspreis wirkt auf Strompreis, aber auch wenig Wasser- und Atomkraft

Die Situation an den Strommärkten ist ebenfalls angespannt. Erdgaskraftwerke spielen eine wichtige Rolle im Stromsystem Europas. Das gilt auch für das von Wasserkraft geprägte Österreich. Damit wirken die Entwicklungen der Gaspreise direkt auf die Stromgroßhandelspreise. (Hintergrundinfo „So funktionieren Energiemärkte“)

Neben der Gaspreiskrise wirken jedoch auch andere Effekte. In großen Teilen Europas herrscht Trockenheit, die die Erzeugung aus Flusskraftwerken reduziert. In Frankreich sind etwa zahlreiche Atomkraftwerke wegen technischer Mängel nicht einsatzbereit. Andere müssen gedrosselt werden, da die für die Kühlung benötigten Flüsse zu wenig Wasser führen oder bereits zu warm sind.

Hohe Preise als Signal

„Fehlenden Erzeugungskapazitäten treiben die Preise weiter in die Höhe. Diese hohen Preise müssen als eindeutiges Signal zum Diversifizieren verstanden werden: Es braucht Windkraft, Photovoltaik, Erdwärme und gleichzeitig mehr Energieeffizienz und Energiesparen. Nur so können wir uns mittelfristig aus der Abhängigkeit von teuren, fossilen Rohstoffimporten befreien“, betont Angerer. Gleichzeitig müsse man Angerer zu Folge auch Lösungen finden, die Erderhitzung zu mindern und die Folgen der Klimakrise abzuschwächen. Die aktuelle Renaissance von Kohlekraftwerken oder eine langfristige Nutzung von Erdgas über alternativer Versorgungswege kann nur eine Lösung gegen die jetzige Versorgungskrise sein.

Hier finden Sie die Entwicklungen der Energieträger im Monats- und Jahresvergleich.

Alle Energieträger im Detail und entsprechende Grafiken, finden Sie auf der Presseseite der Österreichischen Energieagentur.

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