30-Milliarden-Investment für Netzausbau bis 2040 erforderlich

Foto: Österreichs Energie fordert Investitionen in Netzausbau

Beim gestrigen Trendforum der Interessenvertretung der E-Wirtschaft vor rund 120 Besucherinnen und Besuchern wurde abermals der notwendige Netzausbau für Strom unterstrichen. „Die Energiewende ist auch eine Netzwende“, betonte Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie in seinem Eröffnungs-Statement. Er beziffert das notwendige Investment für diesen Netzausbau mit 30 Milliarden Euro bis 2040. Zusätzlich zum Investment fordert Strugl einen gesamthaften Plan, der neben dem Ausbau erneuerbarer Energie auch den Ausbau von Netzen und Speichern vorsieht. Dieser Plan müsse jedenfalls eine zukunftsorientierte Regulatorik, rasche Verfahren und eine Steigerung der öffentlichen Akzeptanz beinhalten. „Eines ist klar: Wenn wir diesen Netzausbau nicht ganz energisch vorantreiben wird die Energiewende nicht funktionieren“, so Michael Strugl.

„Auch wenn wir vom Jahr 2040 reden – es gibt beim Netzausbau keine Zeit zu verlieren“, betont Aria Rodgarkia-Dara, Manager im Energiebereich von Frontier Economics in seiner Key-Note. Er plädiert dafür, den Fokus nicht nur auf die Kosten, sondern mehr auf den Nutzen des Netzausbaus zu legen. In einer von Frontier Economics gemeinsam mit dem AIT erstellten Studie wurde der volkswirtschaftliche Nutzen des Netzausbaus in Österreich errechnet. Die volkswirtschaftlichen Folgekosten einer Unterdimensionierung der Netze übersteigen demnach die Einsparungen der Unterdimensionierung bei weitem. Nach den Berechnungen von Frontier Economics ist daher das volkswirtschaftliche Risiko einer Überdimensionierung der Netze deutlich geringer als das Risiko einer Unterdimensionierung. „Die Netze sind der Enabler der Energiewende und das Investment gerechtfertigt“, resümiert Aria Rodgarkia-Dara. Dieser Umstand müsse in der nächsten Regulierungsperiode berücksichtigt werden.

Franz Strempfl, Spartensprecher Netze bei Oesterreichs Energie betont, die Netzbetreiber hätten mit den notwendigen Investitionen schon längst begonnen – heuer etwa 130 Millionen Euro allein in den Netzen der Energienetze Steiermark. Er sieht als größte Herausforderung, die zusätzliche volatile erneuerbare Energie ans Netz zu bringen und die steigende Zahl der Anschlüsse bewältigen zu können. Strempfl sieht die Netze nicht als „Teil des Problems, sondern als Lösung“. Er fordert, dass Vorrangzonen für große Freiflächenanlagen ausgewiesen werden, damit Betreiber von Wind- oder Photovoltaikanlagen Planungssicherheit hätten und damit auch eine vorausschauende Netzplanung möglich sei. „Oft werden große Projekte angekündigt, die dann aber nicht kommen“, sagt Strempfl, „so kann eine Netzplanung nicht funktionieren.“ Er verlangt ein klares Commitment aller politischen Entscheidungsträger zum Ausbau erneuerbarer Energie: „Wenn das endlich da ist, können wir geordnet planen – sonst wird es ein böses Erwachen geben.“

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von Erneuerbare Energie Österreichs sieht zwar eine zusätzliche Dynamik durch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, meint aber: „Es ist ja nicht so, dass uns die Energiewende überrascht hat“. Sie fordert eine gesamthafte und vorausschauende Planung. Der bisherige Ablauf, zuerst die Projekte und dann irgendwann die Netze funktioniere nicht mehr und würde nur wertvolle Zeit kosten, so Prechtl-Grundnig. Die Regulierung der Zukunft dürfe daher nicht länger allein auf Kosteneinsparungen abzielen. Sie verlangt für Investitionen einen Planungshorizont bis 2040 zur Erreichung der Klimaneutralität. „Wir müssen endlich Geschwindigkeit aufnehmen und brauchen einen integrierten Erneuerbaren- und Netzausbauplan, der klare Verantwortungen beinhaltet “, so Prechtl-Grundnig. Sie sieht dabei auch die Bundesländer massiv in der Verantwortung.

Johann Marchner, CEO von Wienerberger Österreich fordert ebenfalls einen klaren Ausbau-Fahrplan und klare politische Zuständigkeiten auf allen politischen Ebenen. „Wir treffen laufend wichtige unternehmerische Entscheidungen vor dem großen Risiko einer unsicheren Energieversorgungslage“, betont der Spitzenmanager. „Unternehmerische Entscheidungen sind unser Job, aber uns fehlen oft die zuständigen Ansprechpartner – jedes Unternehmen muss sich da durchwursteln.“ Marchner will vor allem Klarheit und Transparenz: „Die Unternehmen müssen endlich wissen, womit sie planen können und womit sie rechnen müssen. Wir bekennen uns zum Standort Österreich und investieren viel Geld, aber wir brauchen ein Mindestmaß an Planungssicherheit in Energiefragen.“

Alfons Haber, Vorstand der E-Control verweist darauf, dass der politisch beschlossene Ausbauplan von 27 zusätzlichen TWh erneuerbarer Energie 18 bis 19 Gigawatt zusätzlicher Leistung entsprechen. Er betont das Interesse der E-Control an einem koordinierten Vorgehen in Zusammenhang mit dem neuen Regulierungsmodell. Im Mittelpunkt stehe dabei, notwendige Investitionen rasch zu ermöglichen und die hohe Versorgungssicherheit weiterhin zu garantieren. „Verzögerungen beim Netzausbau zahlt letztendlich auch die Allgemeinheit.“

„Die Herausforderungen unserer Zeit im Energiebereich sind ähnlich groß wie jene in der Zeit des Wiederaufbaus.“, betont Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Das Zielbild sei klar, jetzt gehe es darum, die notwendigen Rahmenbedingungen für den Netzausbau zu schaffen. „Die Diskussion hat gezeigt, dass alle Verantwortlichen die selben Ziele haben. Jetzt müssen wir vom Reden ins Tun kommen“, so Schmidt.

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