Zopfstoffe im Abwasser

Verzopft und zugemüllt | UmweltJournal (c) www.iStock.com

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Verzopft und zugemüllt

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Sie sollen dem Besucher den Klogang „versüßen“, reinigen sanft Babypopos, entfernen Makeup und putzen sogar den Boden: feuchte Toilettentücher. Weich, wohlriechend und schonend tun sie ihre Arbeit. Ganze Arbeit – denn im Klo runtergespült verursachen sie für Kanalnetzbetreiber und Abwasser- sowie Kläranlagen ein völliges Desaster. Feuchttücher sind der Traum der Verbraucher – und der Alptraum für Abwasserentsorger.

Feuchttücher oder sogenannten „Zopfstoffe“ im Abwasser verursachen Millionen-Schäden an Pumpen und Anlagen. Alle Kanal- und Kläranlagenbetreiber weltweit sind immer stärker mit diesem Problem konfrontiert. Trotz vieler Informationskampagnen landen sie immer häufiger im Klo und danach im Kanal. Sie führen zu enormen volkswirtschaftlichen Kosten, denn die reißfesten Kunstfasern der Feuchttücher sind kaum klein zu kriegen.
Allgemein gültige Normen für Materialeigenschaften beziehungsweise Kennzeichnungspflichten für Feuchttücher wurden bisher vom Gesetzgeber noch nicht vorgesehen. Deshalb hat die Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA) bei der Montanuniversität Leoben die Studie „Analyse und Verbleib von Feuchttücher-Abfall in der Kanalisation“ beauftragt. Nach eingehender Analyse der im Rechengut mehrerer steirischer Kläranlagen gefundener Feuchttücher – eine wahrlich nicht besonders delikate Arbeit – wurden drei unterschiedliche Gruppen von Feuchttüchern – von abbaubar bis nicht abbaubar – definiert. Jedenfalls sind Erzeugnisse mit einem hohen (oder ausschließlichen) Naturfaser-Anteil (Zellulose) unproblematisch.

Feuchttücher nur kleiner Teil des Problems?

Die Marktvolumina für Feuchttücher haben sich – vor allem in Westeuropa und in den USA – in den vergangenen Jahren erheblich ausgeweitet: jährlich um bis zu neun Prozent. Mit dieser deutlichen Verkaufs-Zunahme ist zukünftig mit einer merklichen Steigerung der Entsorgungskosten zu rechnen. Diese betragen gegenwärtig bereits in der Steiermark rund 3,6 Millionen Euro. Diese Allgemeinkosten trägt jeder Bürger mit seinen Kanalbenützungsgebühren.
Professionelle Erzeuger von Feuchttüchern sind sich dabei zwar häufig der Problemlage bewusst, schieben den schwarzen Peter jedoch an den Konsumenten oder andere Produktvarianten weiter: Ebenso unreflektiert wie Toilettenpapier gekauft, benutzt und entsorgt würde, landeten auch viele andere Hygieneartikel wie Babytücher, Tampons und Wattestäbchen im Klo: „Alle Hygieneprodukte, die im Bad verwendet werden, laufen Gefahr, unbedacht die Toilette heruntergespült zu werden. Auch das hat etwas mit Habitualisierung zu tun“, sagt etwa Wolfgang Tenbusch der Geschäftsführer des Hygieneartikelerzeugers Albaad. Zudem seien Baby- und Kosmetiktücher bestehend aus Spunlace, einem Verbund aus Viskose und Polyesterfasern, das Hauptproblem in der Diskussion. Diese Fasern seien mechanisch miteinander verkettet und enorm reißfest. Ganz anders verhielten sich die neuesten Entwicklungen von feuchtem Toilettenpapier. Nach der Benutzung fingen diese bereits nach wenigen Minuten an, sich in ihre Faserbestandteile aufzulösen. „Für den Abwassertechniker in der Kläranlage ist aber eine Unterscheidung, ob er es bei einer Verzopfung mit Baby- und Kosmetiktüchern oder feuchtem Toilettenpapier zu tun hat, schlichtweg nicht möglich“, sagt Tenbusch. Aus diesem Grund würde die Gesamtproblematik häufig und fälschlicherweise dem Feuchttuch zugeschrieben.

Technische und politische Lösungen …

Ob nun Feuchttücher, Slipeinlagen, Binden, Tampons oder Windeln – all diese Materialien gehören genauso wenig in die Toilette wie Wattestäbchen und Kondome. Wie aber garantieren, dass sie nicht hineingeworfen werden, beziehungsweise: wer zahlt?
Das derzeitig in Europa diskutierte Maßnahmen-Paket ist noch sehr unterschiedlich: Es reicht von einem Verbot von Feuchttüchern bis zur verpflichtenden Kostenbeteiligung der Erzeuger im Rahmen der Herstellerverantwortung. Die GSA möchte mit ihrer aktuellen Studie die Initiative für ein umfassendes und schrittweises Maßnahmenpaket setzen mit dem obersten Ziel, eine Verringerung, Kennzeichnung aber auch ein gesetzliches Verbot der biologisch nicht abbaubaren und reißfesten Kunstfaser-Feuchttücher zu erreichen. Daneben sind weitere Aktivitäten vorgesehen, wie die Information der Bevölkerung oder Kooperationen mit strategischen Partnern.

Aber es gibt auch technische Lösungen, wie man Zopofstoffen Herr werden oder vorbeugen kann. Lesen Sie mehr zum Thema:

Millionenschäden durch Feuchttücher und Drei Beispiele für die Bekämpfung von Kosmetikartikeln im Kanal

 

Vorher und nachher ... Das Erscheinungsbild von Feucht- und anderen Hygienetüchern divergiert. (c) GAS

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