Hintergrundinterview zum neuen Erfolgs-Lehrgang „Lernraum Natur“

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„Natur ist einfach lässig“

„Es war uns allen ein großes Anliegen mit dem neuen Lehrgang ‚Lernraum Natur‘ dem Trend der Naturentfremdung entgegenzuwirken.“ Prof. Willi Linder, Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. (c) privat

Im Oktober startete der neue Lehrgang „Lernraum Natur“, der dieses Jahr erstmals unter anderem von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik angeboten wird. Prof. Willi Linder ist einer der Lehrenden und zuständig für Naturvermittlung, Outdoorpädagogik und Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Das UmweltJournal hat sich mit ihm im Garten der Hochschule im 13. Wiener Gemeindebezirk getroffen:

UJ: Herr Prof. Linder, der neue Lehrgang „Lernraum Natur“ wurde fast überrannt – was sagen Sie zu diesem großen Interesse?

Linder: Ich persönlich bin etwas überrascht, aber natürlich sehr begeistert, dass dieser Lehrgang, der uns allen sehr am Herzen liegt, so gut angenommen wird. Wir konnten aufgrund der vielen Buchungen sogar einen zweiten Lehrgang starten.
Das heißt, es gibt ganz offensichtlich ein
echtes Bedürfnis in der Bevölkerung nach diesem Thema. Wir alle wissen, dass der Kontakt von Kindern zur Natur in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen hat. Die Natur hat zwar weiterhin ein positives Image, sie ist für Jugendliche und Kinder schützenswert, aber sie ist ihnen fremd geworden. Um es pointiert zu sagen: ‚Früher ist man hinausgegangen um etwas zu erleben, heute geht man ins Zimmer und in virtuelle Räume, um etwas zu erleben.‘ Das ist ein globales Phänomen. Natürlich kann man jetzt fragen: Was ist das Problem dabei? Der Kontakt ist aber eine wesentliche Grundlage für Umweltbewusstsein, das belegen Studien. ‚Was man kennt, das liebt man; was man liebt, das schützt man‘ - dieser Satz hat nach wie vor Gültigkeit. Daher war es uns allen ein großes Anliegen, mit dem neuen Lehrgang dem Trend der Naturentfremdung entgegenzuwirken.

Was wird nun im Lehrgang genau vermittelt?

Wir wollen, dass Kinder letztlich von der Natur und mit der Natur lernen. Dieses Lernen sollte aber strukturiert gestaltet, die Vermittlungsarbeit professionalisiert werden. Das Ganze soll Spaß machen und das Ziel ist, dass Menschen letztlich selbst die Natur wieder besuchen. Dazu gibt es viele Zugänge: Forschendes und entdeckendes Lernen, spielerisches Lernen, erfahrungsorientiertes Lernen. Mit diesen Lernarrangements schafft man gute Möglichkeiten, in der Natur zu lernen.

Ein Beispiel?

Man macht mit einer Schulklasse einen Ausflug in die Natur. Dann fährt man zuerst einmal eine halbe Stunde mit dem Bus - und dann lässt man alle aussteigen und will sie gleich mit Naturwissen „vollpauken“. Das wird nicht funktionieren. Aber da gibt es interessante Möglichkeiten, wie man echte Aufmerksamkeit erzeugen kann. Zum Beispiel die Kinder vorerst etwas Bewegungsorientiertes machen zu lassen und mit Fragen, mit selbständigen Aufgaben anstatt mit Vorträgen zu arbeiten. Vorträge gehören in Klassenräume, draußen in der Natur steht das Beobachten, das Erkunden im Mittelpunkt. Wir wollen den Teilnehmern zeigen, wie sie selbst Lernangebote in der Natur entwickeln und gestalten können.

Können auch trockene Lernfächer mit Natur vermittelt werden?

Natürlich (lacht). Und sei es nur mit einer zehn-minütigen Pause in der Natur. Wir wollen auch Lust machen, darüber nachzudenken, wie man Lernfächer mit der Natur in Verbindung bringen kann. Zum Beispiel Sprachenlernen: Bezeichnungen von Pflanzen in anderen Sprachen erzählen oft sehr interessante Geschichten. Oder Geographie und Geschichte: historische Hintergründe werden in einer Landschaft sichtbar, technische und wirtschaftliche Veränderungen prägen eine Landschaft: denken Sie einfach an die Semmeringbahn, wo vorher „Wildnis“ war, wurde ein Erholungsgebiet. Auch Chemie und Mathematik werden in der Natur lebendig, denken Sie an die berühmte Fibonacci-Folge. Das wichtigste Motiv aber, das wir bestärken wollen, ist: ‚Natur ist einfach lässig, spannend, interessant. Und je mehr ich über Natur weiß, umso mehr kann ich entdecken. Wenn ich keine Pflanze, keinen Baum kenne, kann ich mich auch gut erholen beim Wandern. Aber es ist doch spannend, ein G‘schichtl über eine Baumart oder eine Blume zu kennen. Drüber nachzudenken, was da für Zusammenhänge sind, auf Fragen zu stoßen, die einen beschäftigen. Diese Art der Erfahrung und Naturbegegnung den Menschen zu ermöglichen, das ist mir ein persönliches Anliegen.

Was wird in Ihrem Programmteil auf die Studenten warten?

Ich leite das Modul ‚Zugänge zur Naturvermittlung‘ und stelle unterschiedliche Annäherungsmöglichkeiten zur Natur vor: Wie kann ich Menschen dafür begeistern, die Natur zu entdecken? Wie kann ich Emotionen wecken? Dafür gibt es viele Methoden, Spiele, Forschungsaufgaben ... Die vielen Methoden können aber nicht beliebig eingesetzt werden, es braucht ein Konzept, einen „roten Faden“ wie bei einem Menü: Schokoladensoße und Braten sollten auch in einer bestimmten Abfolge serviert werden.

Infos unter:
www.agrarumweltpaedagogik.ac.at
www.facebook.com/Hochschule1130

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