Europäische Automobilwirtschaft geschlossen für Technologieoffenheit

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In einem gemeinsamen Brief fordern die beiden großen europäischen Automobilverbände ACEA und CLEPA den Präsidenten des Europäischen Rats Emmanuel Macron auf, die richtigen Schlüsse aus der Energiekrise zu ziehen, die die europäische Energieversorgung ins Wanken bringt. Es ist hochriskant, nur noch eine Art des Antriebs, nämlich den elektrischen, zuzulassen, der nur funktioniert, wenn die kritischen Rohmaterialien auch europäischen Herstellern zur Verfügung stehen, so die europäischen Verbände. Diese kommen teilweise aus einigen wenigen „high-risk-countries“. Die momentanen Lieferstörungen bei PKW wegen des Ausfalls von Komponenten aus China zeigen, wie verwundbar sich Europa mit derartigen Abhängigkeiten macht. Alternativen zu batterieelektrischen Fahrzeugen sind auch deshalb notwendig, weil der Austausch der Fahrzeuge durch Neuwagen 15 – 20 Jahre benötigt. In Österreich werden 2030 noch vier Fünftel der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ausgestattet sein, unterstreicht der Präsident der österreichischen eFuel-Alliance Jürgen Roth. Auch nach 2040 wird es noch Zehntausende Verbrenner auf Österreichs Straßen geben. Hier benötigt es eine treibstoffseitige Lösung durch klimaneutrale „eFuels“, die die fossilen Treibstoffe nahtlos substituieren können, sobald sie am Markt sind. „Es braucht keine Motorumrüstung, keine neuen Tanks und keine neuen Pipelines.“

Der Brief der europäischen Autoindustrie-Dachverbände zeigt, dass die Wirtschaft alles tun möchte, um dem Klimaschutz rasch zum Durchbruch zu verhelfen, und die Gesetzgeber gut beraten wären, auf die Stimme der Praxis und der Investoren zu hören. „Fälschlich wird kolportiert, die Autohersteller wollen nur noch elektrische Fahrzeuge produzieren, der Brief beweist das Gegenteil“. Beim renommierten Wiener Motorensymposium haben sich jüngst die führenden Technologie- und Branchenexperten erneut klar für die Nutzung des gesamten Technologieportfolios ausgesprochen.

Investoren sind der Politik voraus

„Erfreulich ist, dass Projekte rund um den Globus wie Schwammerln nach einem warmen Regen aus dem Boden sprießen, die Investoren sind definitiv da“, freut sich eFuel-Sprecher Jürgen Roth. „E-Mobilität ist perfekt, vor allem wenn der Strom direkt von der Sonne und dem Wind kommt. Mobilität soll aber auch bei ungünstigem Wetter möglich sein, wenn die erneuerbaren Quellen pausieren und der Strombedarf durch Atomkraftimporte gedeckt werden müsste. Wenn ein Land Bedenken gegen Atomstrom hat, sollte es sich nicht davon abhängig machen.

Die Europäische Kommission hat in ihrem neuen Strategiepapier vom Mai 2022 spät aber doch erkannt, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energiequellen in Europa wegen selbst aufgebauter regulatorischer Hürden stockt, die Verfahren viel zu lange dauern und ohne Diversifizierung der Energieimporte keine Unabhängigkeit von russischem Erdgas und Erdöl zu erreichen ist. Da in beiden Sparten ein Umstieg auf andere Lieferländer nur begrenzt möglich ist, sind die synthetischen Energieträger unsere einzige realistische Chance einer sauberen und sicheren Energieversorgung. „Selbst wenn die EU den Planungs- und Genehmigungsverfahren endlich Flügel verleiht und der Ausbau von Wind- und Solarstrom Fahrt aufnimmt, klafft noch immer eine große Lücke, die es intelligent zu schließen gilt.“

Behaltedauer mehr als 10 Jahre: 1,5 Mrd weltweit und mehr als 7,2 Mio Fahrzeuge in Österreich rascher klimafit machen

Von den Rahmenbedingungen hängt es ab, ob die Produktion von klimaneutralen eFuels als Ersatz für fossilen Diesel- und Benzinsprit rascher oder weniger rasch hochgefahren werden kann. „Ich kenne keine andere Technologie, die so rasch von null auf hundert beschleunigen kann, denn es liegen gigantische Potenziale nicht genutzter Sonnen- und Windenergie rund um den Globus brach. Wenn bei uns Strom knapp wird und deshalb sogar Dutzende Atomkraftwerke in Europa gebaut werden, ist es unklug, im Verkehrssektor ausschließlich auf Stromautos zu setzen“, so Präsident Jürgen Roth abschließend. „Daher kann es bei der Einführung der eFuels nur eine Devise geben: je schneller desto besser. Angesichts einer PKW-Behaltedauer von mehr als 10 Jahren und den scharfen Reduktionsvorgaben bis 2030 können wir nicht auf den Komplettumstieg zu E-Autos warten.“

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