FEMtech-Expertin Birgit Weihs-Dopfer im Interview

Foto: Birgit Weihs-Dopfer beim Stadt der Zukunft Themenworkshop des BMK 2019 © ÖGUT

UMWELT JOURNAL 2/2020 – Nachlese: Interview des Monats mit Dr.in Birgit Weihs-Dopfer über die Situation von Frauen in Wissenschaft und Forschung. Die Tirolerin war FEMtech-Expertin des Monats April. Jetzt zum Nachlesen aus dem Fachmagazin für Sie online.

Birgit Weihs-Dopfer: “Die Situation der Frauen hat sich in den letzten 50 Jahren stark gewandelt. Brauchten Frauen in den 60er-Jahren noch die Erlaubnis des Ehemannes, um arbeiten zu dürfen, ist ihnen heute der Zugang zu allen Berufen und Studien offen. Während ich 1987 noch eine von insgesamt nur drei Physikstudentinnen in meinem gesamten Jahrgang war, liegt heute der Frauenanteil im Physikstudium bei 30 %.”

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?
Dr.in Birgit Weihs-Dopfer, Clustermanagerin Erneuerbare Energien, Standortagentur Tirol.

Was macht die Standortagentur Tirol genau?
Die Standortagentur Tirol ist eine Tochter der Lebensraum Tirol Holding und arbeitet daran, den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Tirol wettbewerbsfähig zu halten. Das tut sie, indem sie Innovation, Forschung und Kooperation motiviert und so nachhaltiges Wachstum ermöglicht.
Nachhaltigkeit wird auch über das Stärkefeld Erneuerbare Energien vorangetrieben. Ein eigener Cluster vernetzt diese Branche und forciert Innovationen. Die Überleitung in andere Branchen, wie den produzierenden Sektor oder den Tourismus, funktioniert über eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Clustern. Nachhaltigkeit ist uns wichtig, denn nachhaltiges Wachstum ist jenes Wachstum, das bleibt – es berücksichtigt die Limits des Natural Capital, in das alles Wirtschaften eingebettet ist.

Sie sind Clustermanagerin für den Bereich Erneuerbare Energien, was machen Sie denn da genau?
Der Cluster „Erneuerbare Energien“ ist einer von insgesamt sechs Clustern, die von der Standortagentur als Drehscheibe für Innovationen und Kooperationen geführt werden. Als Clustermanagerin kümmere ich mich insbesondere darum, dass Menschen und Ideen zusammenkommen und sich vernetzen. Das passiert im persönlichen Gespräch – bei Besuchen, die wir Unternehmen und Forschungseinrichtungen abstatten – ebenso wie bei
Veranstaltungen. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Impulsgespräche: Betriebe stellen ihre Ideen vor und diskutieren Chancen der Umsetzung mit potenziellen PartnerInnen. Aktuelle, internationale Trends zu beobachten und diese zu den Mitgliedsbetrieben zu bringen bzw. auch umgekehrt, Themen, die aus den Mitgliedsbetrieben kommen, aufzugreifen, sind weitere meiner Aufgaben.
Ein Thema, das wir gemeinsam mit den anderen Clustern bearbeiten wollen, ist die auch von der EU forcierte Kreislaufwirtschaft. Gemeinsam mit der Energiewende hilft sie, Treibhausgasemissionen zu senken und hoffentlich den Klimawandel aufzuhalten.

Was fasziniert Sie an dem Themenbereich “Erneuerbare Energien“?
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, die die Menschheit jemals bewältigen musste. Es sind daher die Bedeutung von Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien für uns Menschen und die Rolle, die diese Bereiche in Zukunft spielen werden, die mich faszinieren. Das sind Zukunftsthemen. Sie sind auch ein enormer Wirtschaftsfaktor, es können in diesem Bereich eine beträchtliche Zahl neuer Arbeitsplätze in lokalen Unternehmen entstehen. Ich freue mich daher, dass ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dass in diesen Bereichen etwas weitergeht.

Wie hoch ist der Frauenanteil im technischen Bereich bei der Standortagentur Tirol?
Im Team Technik sind wir acht Personen und drei davon sind Frauen (37,5 %).

Was bietet die Standortagentur Tirol zur Förderung von Chancengleichheit?
Die Standortagentur Tirol ist sich der Wichtigkeit der Chancengleichheit für Frauen und Männer bewusst. Dieses Frühjahr nehmen beispielsweise alle MitarbeiterInnen – und natürlich auch die Geschäftsführung – an einer Weiterbildung zum Thema Gender Mainstreaming teil.
Digitalisierte Arbeitsformen machen uns nicht nur hoch einsatzfähig, wie aktuell während der Maßnahmen rund um das Corona-Virus, sondern erleichtern auch das Home Office und ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
In den Clustern integrieren wir das Thema in Förderanträgen, wie zuletzt anlässlich der COSME (Europe´s Programme for SMEs) Ausschreibung. Auch bei unseren Angeboten und Dienstleistungen achten wir verstärkt auf Chancengleichheit. Das Gründungszentrum Startup.Tirol, ein Tochterunternehmen der Standortagentur Tirol, hat kürzlich ein Coaching- und Förderprogramm explizit für weibliche Gründerinnen aufgelegt.

Sie haben Physik an der Universität Innsbruck studiert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Das ist eigentlich relativ simpel: Ich hatte einen großartigen Physiklehrer. Das war definitiventscheidend, denn meine Interessen waren und sind breit gefächert. So viele Gebiete sind hochinteressant, egal ob Physik, Chemie, Biologie oder Geschichte.
Unser Physiklehrer stellte den Bezug zu spannenden und aktuellen Themen der Zeit her: Anlässlich der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl besprachen wir die verschiedenen Reaktortypen, wie es zu diesem Unfall kommen konnte und besuchten ein Atomkraftwerk in der Schweiz. Wir waren im Technischen Museum in München und verbrachten dort einen spannenden Tag. Im letzten Jahr gab er uns erste Einblicke in die Quantenwelt. Er hatte ganz klar ein Talent dafür, seine Schülerinnen – ich habe ein Mädchengymnasium besucht – für sein Fach zu begeistern.

In Ihrem Doktorats Studium haben Sie an der ersten Realisierung von Heisenbergs Gedankenexperiment, besser bekannt als „Beamen“ gearbeitet. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was war das Besondere daran?
Heisenbergs Unschärferelation besagt, dass man bei kleinsten Teilchen nicht alle Größen gleichzeitig scharf messen kann. Begründet ist das nicht in den technischen Grenzen von Messgeräten, sondern das ist ein Naturgesetz. Einstein konnte damit nichts anfangen, was er ausdrückte mit seinem berühmten Spruch „Gott würfelt nicht“. Mittels der erstmaligen experimentellen Umsetzung von Heisenbergs Gedankenexperiment konnten wir im Labor zeigen, dass es tatsächlich nicht möglich ist,
den genauen Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig zu kennen.

Heisenbergs Gedankenexperiment und beamen ist, wie man sieht, nicht dasselbe, aber was haben die beiden miteinander zu tun?
Wenn man die Eigenschaften eines Teilchens nicht alle gleichzeitig scharf messen kann, kann man es auch nicht kopieren. Wie übertrage ich dann aber die Eigenschaften eines Teilchens auf ein anderes? An diesem Punkt kommt das „Beamen“ ins Spiel, wissenschaftlich ausgedrückt die Quantenteleportation.
Alle diese Dinge haben weitreichende Konsequenzen, so kann mittels der Quantentheorie beispielsweise eine abhörsichere Übertragung von Information realisiert werden. Eine Zuhörerschaft, die mithören will, muss dazu die Teilchen, die gesendet werden, abfangen und deren Eigenschaften messen. Dies ist aber nicht für alle Eigenschaften möglich, es kann keine perfekte Kopie des gemessenen – und damit zerstörten – Teilchens weitergesendet werden. Auf die einhergehenden Fehler kann man testen und damit die Zuhörerschaft ausfindig machen. Ergo – abhörsicher.

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