Wien startet Fassadenbegrünung an Gemeindebauten

Foto: Fassadenbegrünung

Wien schreitet mit der Begrünung der Stadt zur Bekämpfung von sommerlicher Hitze voran. Fassadenbegrünung leistet dabei einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Hitze überall dort, wo Begrünung im dicht verbauten Gebiet nicht anders möglich ist. Nun sind einige stadteigene Gemeindebauten an der Reihe.

Wien (OTS) – Die Klimamusterstadt Wien kämpft seit vielen Jahren gegen den Klimawandel und seine Folgen. Schon heute hat Wien im Bundesländer-Vergleich in Österreich die geringsten CO2-Emissionen pro Kopf. Zugleich braucht es adäquate Anpassungsmaßnahmen gegen die klimawandelbedingte Hitze in der Stadt, die den Menschen vor allem im dichtverbauten Gebiet zu schaffen macht.

Überall dort wo herkömmliche Begrünungsmaßnahmen nicht möglich sind, etwa im dichtverbauten innerstädtischen Bereich, sind Gebäudebegrünungen eine ideal Alternative. Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran. Jedes Jahr werden zehn städtische Fassaden begrünt.

Aktuell starten auch zwei Pilotprojekte am Gemeindebau. Eines in der Raxstraße 21-27 im 10. Bezirk, wo fünf Wände mit einer Gesamtfläche von 145 Quadratmeter bewachsen werden. Und eines in der Mollardgasse 89 im 6. Bezirk, wo 17 Kletterpflanzen die Wände bewachsen. Beide Projekte, die von der Geschäftsgruppe Umwelt gefördert und von Wiener Wohnen betrieben werden, helfen gegen urbane Hitzeinseln und tragen zu einem positiven Mikroklima und zur Biodiversität in der Stadt bei.

„Der geförderte Wohnbau in Wien ist seit hundert Jahren ein Trendsetter, der den Wienerinnen und Wienern noch weit mehr als leistbaren Wohnraum bietet. Die großzügigen Freiflächen im Gemeindebau sind seit jeher auch mit einer gesunden und grünen Umgebung verbunden, die das Leben verbessert. Fassadenbegrünungen sind eine zeitgemäße Erweiterung dieser Idee“, so Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal.

Fassadenbegrünung als natürliche Klimaanlage

Auf den genannten Flächen werden unterschiedliche Kletterpflanzen wie Trompetenblumen, fingerblättrige Klettergurken, Wilder Wein und Waldreben in den nächsten Wochen und Monaten direkt vom Boden aus die Rankkonstruktionen aus Spanndrähten bewachsen. Die Fassadenbegrünung wirkt wie eine natürliche Klimaanlage, senkt die Temperatur im Gebäudeinneren und wirkt sich positiv auf das Mikroklima in der Umgebung aus: Ein Aufheizen der Wände im Sommer wird verhindert und sie entwickelt eine kühlende Wirkung durch Verdunstung und erhöhte Luftfeuchtigkeit. Im Winter führt es zu einem Schutz gegen Witterungseinflüsse und einem Isolationseffekt, der Heizkosten verringert.

Pflanzen reinigen die Luft und binden Staub. Bei der Auswahl der Pflanzen für eine Vertikalbegrünung spielen die Bodenverhältnisse, Windströmungen und klimatische Ansprüche der Pflanzen eine Rolle. Und natürlich auch Farben und Formen.

Sechs Millionen Euro Sonderförderpaket für Cooling & Begrünung

Im Kampf gegen urbane Hitzeinseln greift die Klimamusterstadt Wien auch tief in die Tasche und hat erst kürzlich ein Sonderförderpaket von weiteren 3,35 Mio. Euro für Cooling-Maßnahmen und Gebäudebegrünung beschlossen. Gemeinsam mit dem bestehenden Förderpaket aus 2019 stehen damit bis 2023 insgesamt 6,15 Millionen Euro für Cooling- und Begrünungsmaßnahmen zur Verfügung. Die Stadt Wien unterstützt weiterhin die Kühlungs-Projekte der Bezirke und übernimmt 80 Prozent der Kosten.

Der seit letztem Jahr bestehende Maßnahmenkatalog für die Bezirke umfasst neben unterschiedlichsten Begrünungsmaßnahmen auch kühlende Nebelduschen in den Grätzln und vieles mehr wie z.B. straßenseitige Fassadenbegrünungen, Wasserspiele, Nebelduschen, Wasserfontänen und mobile Trinkbrunnen mit Sprühnebelfunktion. Die Pflanzung größerer Stadtbäume sowie die Entsiegelung befestigter Flächen zugunsten von Grünfläche und die Beschattung durch Pergolen, freistehende Rankelemente und Staudenbeete. Mit einem Sonderbudget von 8 Millionen Euro werden derzeit hunderte Bäume als natürliche Schattenspender in den Bezirken gepflanzt. Aber auch die Fördermittel für private Gebäudebegrünungsprojekte wurden auf 500.000 Euro verdoppelt und die Stadt Wien fördert die Installation von Außenjalousien mit bis zu 1.500 Euro pro Haushalt.

Grünflächen im Gemeindebau verbessern Mikroklima

Das zentrale Element, um eine Stadt zu kühlen, sind Grünräume – die vielzitierten grünen Lungen Wiens. Schon heute verfügt die Millionenmetropole Wien über einen rekordverdächtigen Grünraumanteil von 53 Prozent an der Gesamtfläche. Grünräume sind ein besonders effektives Mittel gegen städtische Hitzefelder, die auf versiegelten Flächen entstehen.

Die kommunalen Wohnhausanlagen in Wien tragen einen großen Teil zur grünen Stadt bei. Nur rund 30 Prozent der Gesamtfläche der Gemeindebauten sind verbaut, 70 Prozent der Fläche sind begrünte Höfe und Außenanlagen. Diese Grünanlagen nehmen insgesamt eine Fläche von mehr als sechs Millionen Quadratmeter ein. Gerade in dichtverbauten Gebieten leisten diese Grünflächen mit insgesamt 70.000 Bäumen und einer Million Sträuchern einen wesentlichen Beitrag zur Abkühlung und zu einem angenehmen Mikroklima.

16 Hektar neue Parks für grünste Stadt der Welt

Obwohl Wien schon jetzt die grünste Metropole der Welt ist, wie erst kürzlich eine Studie ergeben hat, errichtet die Stadt Wien in den nächsten Jahren über 16 Hektar neue Parkflächen. Zu den rund 1.000 bestehen Parks und Grünflächen kommen heuer weitere große Projekte dazu – z.B. wird der Reumannplatz neu gestaltet und der Grünanteil um 13 Prozent erhöht. Oder auch der gerade im Bau befindliche 2,8 Hektar große Elinor-Ostrom-Parks in der Seestadt Nord. Heuer beginnen zudem die Bauarbeiten für den neuen 9,3 Hektar großen Park am Nordbahnhofgelände mit Stadtwildnis und urbanen Terrassen.

Vorzeigeprojekt der Internationalen Bauausstellung in Wien

Die Initiative für Fassadenbegrünungen im Bestand zählt auch zu den innovativen Projekten im Rahmen der IBA_Wien 2022 – Neues soziales Wohnen.

„Damit erscheint nicht nur der Straßenraum in einem freundlicheren Bild, es kann vor allem im dicht bebauten Stadtgebiet die Wärmeabstrahlung von den Gebäuden im bodennahen Bereich deutlich reduziert werden. Zusätzlich zeichnet das Projekt aus, dass es für die Maßnahmen von der Stadt Wien auch Förderung gibt, und dass die behördlichen Wege durch ein sorgfältig vorbereitetes Betreuungspaket auf ein Minimum reduziert werden“, so Kurt Hofstetter, Leiter der IBA_Wien.

Diese und viele weitere interessante Neuerungen gibt es übrigens ab 8. September 2020 in der IBA-Ausstellung „Wie wohnen wir morgen?“ im ehemaligen Sophienspital zu sehen.

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