Wasserstoff: Fixstern als zukünftiger Energieträger

Foto: Wasserstoff

Wasserstoff-Technologien werden an energiepolitischer Bedeutung angesichts der Pariser Klimaziele 2050 in den nächsten Jahren zulegen. Manche sehen in Wasserstoff einen Fixstern als Energieträger der Zukunft. Details dazu wurden im jüngsten BDO-Energy Talk erörtert.

Wien (OTS) – Bereits zum fünften Mal lud Mag. Karl Newertal, Partner und Branchenexperte Alternative Energie bei BDO, namhafte Vertreter der österreichischen Forschung und Industrie zum Energy Talk. DI Dr. Alexander Trattner (HyCentA Research GmbH), DI Günter Pauritsch (Österreichische Energieagentur), Ing. Johann Prammer (voestalpine AG) und Mag. Johannes Mayer (E-Control) diskutierten über die Voraussetzungen und Chancen, die mit dem Einsatz von Wasserstoff im Kontext der Energiewende in Österreich verbunden sind.

In seiner Keynote betonte DI Dr. Alexander Trattner (Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der HyCentA Research GmbH), dass zwei Drittel unserer Energie derzeit aus fossilen Quellen stammen. „Das Kernproblem für die Erreichung der Pariser Klimaziele ist folglich die Dekarbonisierung unseres Energiesystems“, betonte er. Eine große Chance in Sachen Dekarbonisierung wiederum ist Clean Hydrogen sowie Power to Hydrogen: Einerseits gibt es die Möglichkeit, umweltfreundlichen Wasserstoff mittels Photoelektrolyse direkt aus Sonnenenergie zu gewinnen, ähnlich der Photovoltaik. Andererseits stellt aus Strom gewonnener Wasserstoff auch eine Lösung für das Problem der Überschüsse aus der erneuerbaren Energiewirtschaft dar, die nicht unmittelbar genutzt werden können: Denn Wasserstoff ist im Gegensatz zu Strom nicht nur in Tagesspeichern, sondern auch über einen längeren Zeitraum speicherbar. Im Schwerverkehr, in der Industrie sowie in der Dezentralisierung der Stromversorgung von Haushalten bescheinigt Trattner der Wasserstoffnutzung ein enormes Potenzial.

DI Günter Pauritsch von der Österreichischen Energieagentur sieht die Steigerung der Energieeffizienz als Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele: „Wir müssen lernen, mit weniger Einsatz von Energieträgern denselben oder mehr Output zu erzielen.“ Darüber hinaus betonte er die globale Dimension, die nicht außer Acht gelassen werden dürfe: Sollte für die Herstellung und den Export von grünem Wasserstoff der Ausbau erneuerbarer Energien wie Photovoltaik z.B. in Nordafrika vorangetrieben werden, gilt es auch die Energieversorgung vor Ort generell umzustellen bzw. die Umstellung ggf. zu fördern. „Es darf keinesfalls zur Entstehung eines energiepolitischen Neokolonialismus kommen.“

Ing. Johann Prammer, Leiter des Strategischen Umweltmanagements bei der voestalpine AG, ergänzte die Gesprächsrunde um den Blickwinkel der energieintensiven Stahlindustrie. Neben der – technisch möglichen – schrittweisen Umstellung der kohlebetriebenen Hochöfen auf Elektroöfen unterhält die voestalpine AG die derzeit weltweit größte Elektrolyseanlage, um die Parameter für den Betrieb einer solchen Anlage im industriellen Großformat abzustecken. „Das klare Commitment zur Dekarbonisierung ist in der Stahlindustrie gegeben. Allerdings gilt es nun, durch die Bereitstellung von günstigem Strom die Wettbewerbsfähigkeit des ‚grünen‘ Stahls sicherzustellen“, gibt Ing. Prammer zu bedenken.

Großes Potenzial für die Nutzung von Wasserstoff-Technologien sieht Mag. Johannes Mayer von der E-Control vor allem in Großprojekten, da das engmaschige Stromnetz in Europa vielerlei Nutzungsmöglichkeiten erlaubt, sodass der Stromüberschuss nicht zwingend gespeichert werden müsse. Darüber hinaus betont er, dass die kritische Phase für die landläufige Verwendung von Wasserstoff sicherlich in der Umstellung der bestehenden Gasnetze auf Wasserstoff zu verorten ist: „Ab einer bestimmten Konzentration gilt es, die Nutzer umzustellen oder eine parallele Infrastruktur aufzubauen“, so Mag. Mayer.

Alle Vortragenden waren sich einig, dass die Umstellung unserer Primärenergie unerlässlich für die Erreichung der CO2-Neutralität bis 2050 ist, wie sie in den Pariser Klimazielen festgeschrieben wurde. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien gilt es zunächst geeignete Brückentechnologien zu finden, um schließlich auf weitere CO2-freie Energieträger umzustellen, unter denen Wasserstoff aufgrund seines immensen Potenzials eine zentrale Rolle einnehmen könnte. Allerdings kann diese Problematik nicht allein national betrachtet werden, sondern verlangt einen Schulterschluss und ein konsequentes Vorgehen in ganz Europa. „Wir hoffen, dass wir beim nächsten Energy Talk bereits über ein Fördersystem für erneuerbare Energien und Wasserstoff sprechen können. Auch, wenn uns Corona derzeit in Atem hält, dürfen wir die Erreichung der Klimaziele nicht aus den Augen verlieren“, schloss Gastgeber Mag. Karl Newertal von BDO.

Die Veranstaltungsreihe „Energy Talks“ bietet allen Interessierten ein Forum, bei dem sich Vertreterinnen und Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen der Energiebranche austauschen können. Weitere Informationen finden Sie unter bdo.at/events.

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