Unnötige Querbauwerke abreißen und Flüsse lebendiger machen

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Nur ein Fünftel der Flüsse in Österreich fließt noch ungestört. Insgesamt 28.700 unterschiedliche Barrieren verursachen laut der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) einen schlechten Gewässerzustand. Nun fordert der WWF eine Sanierungsoffensive und den Abriss veralteter Dämme, damit die heimischen Flüsse wieder lebendiger werden können.

Wien (OTS) – Aufgrund des schlechten Zustands der heimischen Flüsse fordert der WWF Österreich einen bundesweiten Sanierungsplan inklusive des Abrisses veralteter und unnötiger Querbauwerke. Denn unsere Flüsse können nur mehr auf 17 Prozent des gesamten Gewässernetzes frei fließen. Mit rund 28.700 unpassierbaren Flussbarrieren gibt es im Schnitt laut Angaben des Umweltministeriums alle 900 Meter ein unpassierbares Hindernis. Zusammen mit der extrem hohen Wasserkraftnutzung sind Flussregulierungen eine massive Belastung für die Flussökosysteme. Bereits 60 Prozent aller Fischarten Österreichs gelten als gefährdet. „Der Abbau veralteter Querbauwerke schafft wertvollen Lebensraum in unseren Flüssen und kann den früheren Fischreichtum wiederherstellen“, sagt WWF-Gewässerökologin Bettina Urbanek. Die Umweltschutzorganisation wendet sich daher gegen Subventions-Forderungen der Kleinwasserkraft für den Umbau von Querbauwerken: „Neue Kraftwerke und Turbinen würden die ökologische Situation vor allem für Fische nochmals verschlechtern. Zudem würde die überfällige Sanierung der Gewässer wieder um Jahrzehnte verhindert werden. Fischaufstiegshilfen sind immer nur eine Notlösung“, warnt Urbanek.

Auch aus energiewirtschaftlicher Sicht sind Ökostrom-Förderungen in anderen Technologien weit besser angelegt, wie eine Studie des Energieinstituts der Johannes Kepler Universität Linz aus 2018 belegt. Demnach eignen sich von 9.148 untersuchten Querbauwerken Oberösterreichs nur 14 Prozent überhaupt für Umrüstungen. Alle potenziellen 1.300 Standorte könnten zusammen genommen gerade einmal soviel Energie erzeugen, wie ein einziges durchschnittliches Kleinkraftwerk (12,2 GWh bzw. Engpassleistung von 2,2 MW). Weiters ist an diesen Standorten noch nicht einmal geprüft, ob ein solcher Umbau überhaupt ohne ökologische Verschlechterungen möglich wäre. „Die bisher ventilierten Umbaupläne halten keiner vernünftigen Kosten-Nutzen-Rechnung stand und sollten somit schon gar nicht mit dem Geld der Stromkundinnen und Stromkunden gefördert werden“, sagt Bettina Urbanek mit Blick auf die die laufenden Gespräche über eine Reform der Ökostromförderung.

Die Möglichkeit, Gewässer durchwandern zu können, entscheidet über das Überleben zahlreicher Arten. Besonders betroffen von den tausenden Barrieren sind daher die Mittel- und Langdistanzwanderer unter den Fischarten, wie etwa Nase, Barbe oder Huchen. „Viele Querbauwerke sind inzwischen obsolet und könnten ohne negative Auswirkungen entfernt werden. Das betrifft auch Wasserkraftwerke, die nicht mehr in Betrieb sind und daher keinen Strom mehr produzieren. Laut der Studie von Pöyry für Österreichs Energie sind das über 1.100 Anlagen. Bei anderen Bauten eignet sich oft der Umbau zu einer so genannten aufgelösten Rampe, die eine Durchwanderbarkeit ermöglicht, ohne den Hochwasserschutz zu beinträchtigen“, sagt WWF-Expertin Urbanek. Vorbildprojekte aus Frankreich, Finnland, Dänemark und Deutschland zeigen, dass sich die gefährdete Gewässerfauna nach dem Abriss unnötiger Querbauwerke rasch erholen kann.

Auch laut EU-Recht (Wasserrahmenrichtlinie) müssen Flusshindernisse saniert, gänzlich entfernt oder zumindest bestmöglich passierbar gemacht werden. In der ersten Periode des Nationalen Gewässerschutzplans 2009 bis 2015 wurden aber nur rund 1.000 Barrieren durchgängig gemacht. Bettina Urbanek: „Für gesunde klima-fitte Flüsse muss die Politik das Tempo jetzt deutlich erhöhen. Gewässersanierungen wirken sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern schaffen und sichern auch Arbeitsplätze.“

WWF fordert Rettungsplan für Flüsse
Laut einer aktuellen BOKU-Studie können Österreichs Flüsse nur noch auf rund 5.500 Kilometern von etwa 32.000 insgesamt frei fließen. Als Teil eines Rettungsplans fordert der WWF eine Wiederaufstockung der seit fünf Jahren fehlenden Finanzierung für die ökologische Gewässersanierung sowie die Etablierung von klaren Naturschutzkriterien für die Vergabe der Ökostrom-Subventionen. „Insbesondere Schutzgebiete und die letzten intakten Flussstrecken müssen frei von neuen Wasserkraftanlagen bleiben“, fordert Bettina Urbanek angesichts des hohen Ausbaugrades mit bereits über 5.200 Wasserkraftwerken sowie Plänen für hunderte neue Anlagen.

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