Tschechien plant Atommülllager an Grenze zu Österreich

Foto: Atomkraftwerk Dukovany, Tschechien

Im Zuge des Ausbaus der Atomkraft in Tschechien ist das Land derzeit auf der Suche nach möglichen Standorten für ein Atommülllager. Vier mögliche Standorte liegen nahe der Landesgrenze zu Österreich. Das betroffene Bundesland Niederösterreich macht nun mobil und will in die Standortfrage miteingebunden werden.

St. Pölten (OTS) – Die Suche nach einem möglichen Atommüllendlager in Tschechien geht heute in eine weitere entscheidende Phase. Von den möglichen Standorten der Lagerstätte liegen vier in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Grenze. Heute wurde von einem tschechischen Expertengremium nach zweijähriger Verzögerung der nächste Schritt im Prozess zur Findung eines Endlager-Standorts für den hochradioaktiven Atommüll aus den Atomreaktoren von Temelín und Dukovany veröffentlicht. Alle vier verbliebenen potenziellen Standort-Gemeinden – Janoch bzw. Temelín, Horka, Hrádek und Březový potok – sollen jetzt in einem nächsten Schritt geologisch untersucht werden und dann im Jahr 2025 auf zwei Standorte für ein Atommüll-Lager eingegrenzt werden. Baubeginn soll 2050 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für 2065 geplant. Alle der vier zu untersuchenden Standorte liegen in der Nähe der österreichischen Grenze, teilweise nur wenige Dutzend Kilometer entfernt.

„Entscheidungen über Standorte von Atomkraftwerken oder Endlagerstätten wirken sich weit über nationale Grenzen hinweg aus. Deshalb muss es hier endlich zu einer ernsthaften Einbindung der Nachbarstaaten und Regionen kommen“, kritisiert EU-Abgeordneter Günther Sidl (SPÖ), die fehlende Einbindung Niederösterreichs bei der Standortwahl und fordert eine Einbindung der direkt angrenzenden Bezirke und Gemeinden.

Keine Mittel aus Green Deal für Atomkraft

„Die Zukunft der Energiegewinnung liegt ganz klar bei erneuerbaren Energieträgern. Atomstrom ist eine Technologie der Vergangenheit“, mahnt Sidl, der Mitglied im Umweltausschuss des EU-Parlaments ist, einen klaren Vorrang für nachhaltige Energiegewinnung auch bei EU-Förderungen ein: „Mit dem Green Deal kann sich Europa als Vorreiter für den Klimaschutz positionieren und damit auch wertvolle Impulse für den Wirtschaftsstandort setzen. Dazu braucht es aber einen klaren Fokus auf grüne Technologien – für die Atomkraft darf es daher keine Mittel aus dem Green Deal geben.“

GLOBAL 2000 fordert aus diesem Anlass von der österreichischen Bundesregierung wie im Regierungsprogramm S. 115 vorgesehen ein „Konsequentes Einschreiten gegen grenznahe Atommülllager“ und damit die Einbindung der potenziell betroffenen österreichischen Gemeinden und BürgerInnen von vornherein bereits in diesem Schritt.

Atommüll in Tschechien

Hochradioaktiver Atommüll fällt in den tschechischen Atom-Reaktoren in großer Menge an: Die sechs derzeit laufenden tschechischen Reaktoren verbrauchen jährlich knapp 100 Tonnen Brennelemente, für die gesamte Laufzeit wird insgesamt mit 3500 Tonnen gerechnet. Im Falle einer Laufzeitverlängerung der bestehenden Reaktoren in Dukovany und Temelín sowie bei Bau des geplanten fünften Reaktors in Dukovany bräuchte es Lagerkapazitäten für bis zu 10.000 Tonnen Atommüll.

Aufgrund der hochradioaktiven Spaltprodukte wie dem hochgiftigen und radioaktiven Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren muss dieser Atommüll für zehn Halbwertszeiten oder unvorstellbare 240.000 Jahre ferngehalten werden von Menschen und Umwelt und natürlich laufend kontrolliert werden, um eine missbräuchliche Verwendung durch Terroristen oder durch Unfälle zu verhindern. „Wir fordern den längst wirtschaftlich sinnvollen Atom-Ausstieg auch in Tschechien ein – und damit zumindest das Ende der immer weiter anfallenden radioaktiven Hinterlassenschaften dieser unrentablen Hochrisiko-Technologie“, so Uhrig abschließend.

Karte Atomkraft in Tschechien: www.global2000.at/atomkraft-tschechien

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