Notstrom-Generatoren von AKW Mochovce können jederzeit versagen

Foto: AKW Mochovce

Wien (OTS) – Atomreaktoren sind Hochrisiko-Anlagen. Beim Ausfall der Stromversorgung – durch Sturm, Blitzschlag, Kurzschluss oder Erdbeben – müssen sofort automatisch Notstrom-Generatoren anlaufen, die zuverlässig Strom für die Reaktor-Kühlung liefern, um die immer noch entstehende Nachzerfallswärme über Wochen zu kühlen und den Reaktor in einen stabilen „kalten“ Zustand zu bringen. Falls diese Notkühlsysteme ausfallen, tritt das ein, was vor neun Jahren in Fukushima passierte: Die Brennelemente überhitzen und schmelzen, der Reaktorkern brennt sich durch die Schutzhülle – im schlimmsten Fall kommt es zur Verpuffung und Freisetzung von großen Mengen an radioaktiven Stoffen, bis zum Super-GAU. Auch im Regelbetrieb von Reaktoren kommt es immer wieder zu solchen kritischen Situationen: zwischen 1993 und 2006 allein in Deutschland zu sechs Notstrom-Fällen, in denen Generatoren sofort automatisch und verlässlich anspringen mussten, um im Falle des „Station Blackouts“ die Reaktoren zu kühlen.

Notstrom-Dieselgeneratoren in Mochovce veraltet und in schlechtem Zustand
In Mochovce sind pro Reaktor drei Notstrom-Generatoren mit je 3.728 Kilovoltampere oder 5.068 PS in Stahlhallen aus den 1980er-Jahren installiert. Hergestellt wurden sie 1989 von der polnischen Maschinenfabrik Dolmel, also vor über 30 Jahren. Deren Nachfolger bestätigte per Mail von April 2018, dass die Maschinen zum Zeitpunkt der Überprüfung „elektrisch unsicher“ sind und generalüberholt werden müssten, da die Isolationsschicht der Stator-Wicklung aufgrund der Alterung jederzeit ohne Vorwarnung versagen und einen Kurzschluss verursachen kann. Die Alterung sei noch stärker bei Generatoren, die nicht laufend in Betrieb waren – da durch die Lagerung die Versprödung der Isolationsschicht schneller voranschreite. Ein Mitglied des Fachausschusses Rotierende elektrische Maschinen des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik bestätigt nun gegenüber der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 auf Basis vorliegender Mess-Daten der in Mochovce installierten Generatoren, dass „die Isolationsfähigkeit nicht gegeben“ ist und rät dringlich zu einer Überprüfung und Generalüberholung.

Ende 2020 soll Reaktor 3 – nach unglaublichen 35 Jahren Bauzeit – tatsächlich in Betrieb gehen. Beim Lokalaugenschein im vergangenen November hatten GLOBAL 2000-Mitarbeiter die Gelegenheit, auch die Generator-Hallen zu besichtigen. Die Ingenieure des Betreibers gaben zwar zu, dass einer der Generatoren – Nummer 3 von Reaktor 3 – bei einem Test spontan einen Kurzschluss hatte und daher die Stator-Wicklung ersetzt wurde – dass aber die weiteren Generatoren nicht überholt werden sollen, sondern „deren Lebenszeit auf 40 Jahre verlängert wurde“, was ein von der Betreiberfirma engagierter Experte als „sicher“ bestätigt habe.

Video-Leak zeigt mehrere Generator-Kurzschlüsse
GLOBAL 2000 wurden nun von einem Mochovce-Ingenieur Videos zugespielt, die mehrere Kurzschlüsse eines Dieselgenerators im Herbst 2018 zeigen – explosive Verpuffungen sind zu sehen, bei denen Teile durch den Raum geschleudert werden. Fotos zeigen, wie einer der Generatoren unzureichend abgedeckt, mit offenen Löchern in der Stahldecke der Halle, mitten in einer Wasserpfütze steht.

Internationale Kontrolle der sicherheitskritischen Maschinen gefordert
„Uns liegen Aussagen des Generator-Herstellers, eines Elektrotechnik-Professors und eines Mitglieds des Fachausschusses Rotierende elektrische Maschinen des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik vor, die aufgrund der tatsächlichen Mess-Daten dringend vor einer Inbetriebnahme der Uralt-Generatoren ohne Generalüberholung warnen“, betont Reinhard Uhrig, Atomsprecher von GLOBAL 2000. „Wie bei einem Oldtimer sollen hier die Bremsen durch eine „Experten“-Aussage aus Kostengründen einfach für sicher erklärt werden – obwohl eine bereits versagt hat und die Isolationsfähigkeit laut Messdaten nicht gegeben ist. Wir fordern umgehend Schritte gegen dieses atomare Risiko-Zocken und eine neue grenzüberschreitende Prüfung des tatsächlichen Zustands der Anlage, wie sie auch im Regierungsprogramm der Bundesregierung gefordert wird.“

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Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Lydia Matzka-Saboi, GLOBAL 2000 Pressesprecherin, 0699 14 2000 26, lydia.matzka@global2000.at
Dr. Reinhard Uhrig, GLOBAL 2000 Atomsprecher, 0699 14 2000 18, reinhard.uhrig@global2000.at

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