Greenpeace warnt vor wachsendem Einwegmüll in Österreich

Foto: Plastikberg vor dem Wiener Stephansdom, Greenpeace, Mitja Kobal
 

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt heute vor dem Wiener Stephansdom mit einem mächtigen, über drei Meter hohen und drei Tonnen schweren Berg aus rund 100.000 Plastikflaschen vor den wachsenden Müllmengen in Österreich. Innerhalb von zehn Jahren ist der Abfall aus Plastikverpackungen wie PET-Flaschen, Folien und Bechern in Österreich um rund 30 Prozent auf über 300.000 Tonnen jährlich gestiegen. Als wirksames Mittel gegen die Müllberge fordert Greenpeace ein Pfandsystem und dass 80 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt werden. WKO, Handel und ÖVP müssen endlich ihre Blockade gegen Pfand und Mehrweg aufgeben, so die UmweltschützerInnen.

“Unsere Müllberge wachsen mit dramatischen Folgen für die Natur, Tiere und Menschen. Das führt sogar soweit, dass unser Plastikmüll auch in Übersee landet, wo er Böden, Flüsse und Meere verschmutzt. Die Bundesregierung muss dem Einwegplastik-Wahnsinn endlich ein Ende setzen und klare Reduktionsziele vorschreiben. Der erste Schritt muss die Umsetzung eines flächendeckenden Pfandsystems mit Mehrwegquoten sein”, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin von Greenpeace. Seit Monaten ringen die Koalitionsparteien der Bundesregierung um eine Einigung in der Plastik-Frage. Während das Umweltministerium und zahlreiche ExpertInnen auf ein Pfandsystem und Mehrwegquoten drängen, blockieren WKO und Handel die Zustimmung der ÖVP zu den geplanten Maßnahmen zur Plastikreduktion.

Der Preis dafür ist hoch: “Mit all den Plastikflaschen, die jedes Jahr in Österreich anfallen, könnte der Stephansdom zweieinhalbmal komplett ausgefüllt werden”, so Panhuber. Pro Jahr werden in Österreich 1,6 Milliarden Plastikflaschen entsorgt. Der Plastikmüll aus PET-Flaschen, Folien und Bechern ist in Österreich in den vergangenen Jahren auf einen bisherigen Höhepunkt von über 300.000 Tonnen* jährlich gestiegen. Setzt sich das Wachstum fort, sind es laut einer Schätzung der TU Wien im Jahr 2025 bereits rund 350.000 -360.000 Tonnen Plastikverpackungsmüll jährlich.

Bis Anfang Juli muss die Bundesregierung die EU-Einweg-Plastik-Richtlinie umsetzen, die vorsieht, dass 90 Prozent der Plastik-Flaschen bis 2029 getrennt gesammelt werden. Zehn Länder in Europa zeigen bereits vor, dass ein Pfandsystem für alle Händler -auch kleine Nahversorger – umsetzbar ist und, dass damit die vorgegebenen Sammelquoten erreicht werden können. “Gerade für die kleinen Nahversorger ist Pfand nichts Neues, denn sie haben meist schon jetzt regionale, umweltfreundliche Mehrwegflaschen in den Regalen. Auch die KonsumentInnen fragen Mehrweg-Flaschen immer mehr nach. Bei den Bierflaschen funktioniert die Rückgabe österreichweit seit Jahren einwandfrei. Der Handel und die WKO müssen endlich ihre fadenscheinigen Ausreden gegen Pfand und Mehrweg fallen lassen und an konstruktiven Lösungen für eine umweltfreundliche Zukunft mitarbeiten”, so Panhuber.

Zur Plastikberg-Aktion:
Greenpeace-AktivistInnen errichteten heute vor dem Wiener Stephansdom einen über drei Meter hohen und drei Tonnen schweren Plastikberg aus über 100.000 Plastikflaschen, der die wachsenden Müllberge in Österreich symbolisiert. Zwölf Ballen aus zusammengepressten Plastikflaschen wurden dafür aufeinander gestapelt. Jeden Tag fallen in Österreich 670 solcher Plastikballen an. Damit die Müllberge endlich schrumpfen, fordern die UmweltschützerInnen ein Pfandsystem und verpflichtende Mehrwegquoten. Bis 2025 müssen Plastikverpackungen insgesamt um 25 Prozent reduziert werden. Zudem braucht es gesetzliche Vorgaben die sicherstellen, dass Produkte von Beginn an so hergestellt werden, dass sie langlebig, wiederverwendbar und reparierbar sind.

*Die letzte offizielle Zahl von Eurostat sind 302.000 Tonnen im Jahr 2017, seither gibt es nur Schätzungen.

Weitere Informationen:

TU-Analyse: https://bit.ly/37IL2IC

Foto: Mitja Kobal

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