Corona-Bilanz der Abfallwirtschaft

Foto: Gabriele Jüly - VOEB/Monihart

Ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise zieht der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) Bilanz: Trotz Pandemie sorgten mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abfall- & Ressourcenwirtschaft dafür, dass sowohl der private als auch der gewerbliche Abfall stets reibungslos abgeholt wurde und somit die Recycling- und Verwertungsanlagen gut ausgelastet waren. Viele Unternehmen hatten hierfür alle erforderlichen Maßnahmen wie Schichtkonzepte, Schutzausrüstungen und Notfallpläne getroffen, die sich langfristig bewährt haben. Hinsichtlich der einzelnen Abfallfraktionen hat die Pandemie Spuren hinterlassen: So verzeichnen zum Beispiel Speiseabfälle aus Gastronomie und Tourismus deutliche Einbrüche, während sich die Zusammensetzung von Altpapier und Kartonagen verändert hat: Es gibt deutlich mehr Verpackungsabfall mit hohem Volumen aufgrund des steigenden Online-Handels, aber viel weniger Druckerzeugnisse wie Zeitungen und Zeitschriften. Sehr unterschiedlich entwickelte sich der Industrie- und Gewerbeabfall, je nachdem wie sehr die Produktion unter der Pandemie litt.

Rasch, flexibel und professionell reagieren
Gaby Jüly, Präsidentin des VOEB: „Es war ein herausforderndes Jahr. Einerseits mussten wir die Abfallentsorgung- und Verwertung weiterhin sicherstellen und dabei auf die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten. Gleichzeitig waren unsere Betriebe gefordert, rasch und flexibel auf die Herausforderungen der Krise zu reagieren. Denn je nach Lockdown veränderten sich die Abfallmengen innerhalb eines Tages, und nie war absehbar, wie lange eine Öffnung bzw. Schließung anhalten würde. Dennoch konnte die Branche die Krise sehr gut meistern und ist mehr denn je für weitere Herausforderungen gerüstet.“

Einfluss der Pandemie auf Abfallfraktionen
Befragt nach dem Einfluss der Corona-Krise auf die unterschiedlichen Branchen und Abfallfraktionen, werden von den VOEB-Mitgliedsbetrieben folgende Entwicklungen genannt:

  • Hausmüll verzeichnet einen leichten Anstieg von bis zu fünf Prozent.
  • Sperrmüll: Aufgrund der Entrümpelungsaktivitäten der Bürger im ersten Lockdown und der Schließung der Altstoffsammelzentren (ASZ) kam es bei der Wiedereröffnung zu einem regelrechten Ansturm und Mehrmenge an Sperrmüll, der sich aber rasch wieder auf das normale Niveau einpendelte.
  • Gewerbe- und Industrieabfall: Betriebe berichten von einem Rückgang von bis zu minus 20 Prozent, allerdings gibt es branchenspezifisch starke Unterschiede. Der Bereich Gastronomie verzeichnet wenig überraschend auch Totalausfälle. Erwartet wird, dass bei einer Erholung bestimmter Branchen, z.B. der Tourismuswirtschaft in Tirol, wieder vermehrt Investitionen durchgeführt werden und sich somit auch die Abfallströme wieder normalisieren. Am geringsten dürfte sich der Bauabfall verändert haben, hier sind die Mengen in der Regel konstant geblieben. Nach einem Einbruch vor einem Jahr durch die kurzfristige Schließung von Baustellen wurde diese Mindermengen wieder aufgeholt.
  • Altpapier/Kartons: Diese Abfallfraktion verzeichnet deutlich mehr Volumen bei gleichbleibendem Gewicht. Denn es gibt durch die Zunahme des Online-Handels deutlich mehr Kartonagen. Gewichtsmäßig sind diese jedoch viel leichter als Zeitungen und Illustrierte, die aufgrund der vermehrten Nutzung digitaler Medien quantitativ massiv gesunken sind. Während diese Abfallfraktion im Haushaltsbereich eher steigt, gibt es branchenspezifisch deutliche Rückgänge (z.B. bei Möbelhäuser, Baumärkten etc.…).
  • Speiseabfall/Bio und Eventbereich: Je nach Region und Einfluss von Tourismus, Hotellerie & Gastronomie gibt es in dieser Fraktion Einbrüche von bis zu minus 90 Prozent. Beim Bioabfall aus Haushalten ist hingegen eine leichte Steigerung ersichtlich. Manche Dienstleistungen, z.B. die mobile WC-Vermietung, verzeichnen aufgrund von Event-Ausfällen enorme Rückgänge.
  • Teststraßen: Eine Besonderheit der Pandemie war die Abfallentsorgung rund um Teststraßen in ganz Österreich. Sie wurde und wird auch weiterhin mit den privaten Entsorgungsbetrieben erfolgreich bewerkstelligt.

Der Kundenmix macht’s aus
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die meisten Betriebe der Branche breit aufgestellt sind und daher sehr gut durch die Krise gekommen sind. Während es zu großen Mengenverlusten in Hotel- und Gastronomiebetriebe kam, haben einzelne Gewerke und Private für eine Steigerung des Abfalls gesorgt. Jüly: „Unsere interne Umfrage ergibt ein heterogenes Bild. Die Vielfalt unserer Aufgaben – von der Abfallsammlung über die sortenreine Trennung bis hin zum Recycling und der Herstellung von Sekundärrohstoffen – hat dazu geführt, dass die Branche auch nach zwölf Monaten Pandemie alle Veränderungen gut abfangen konnte.“ Die allermeisten Betriebe sind weiterhin ausgelastet. „Tatsächlich suchen wir vielmehr wieder gezielt nach Fachkräften, die in einer krisensicheren Zukunftsbranche arbeiten wollen“, so Jüly abschließend.

Über den VOEB:
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ist die freiwillige Interessensvertretung der kommerziell geführten Entsorgungsunternehmen in Österreich. Der Verband vertritt derzeit über 250 Mitgliedsunternehmen und repräsentiert somit zwei Drittel – gemessen am Umsatz bzw. an den Beschäftigten – der privaten österreichischen Entsorgungsbetriebe. Die Branche beschäftigt direkt und indirekt ca. 43.000 Mitarbeiter, entsorgt rund zwei Drittel des gesamten in Österreich anfallenden Abfalls in 1.100 High-Tech-Anlagen und erwirtschaftet Umsätze in der Größenordnung von 4 Mrd. Euro pro Jahr.

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